Han Kang

Menschenwerk

Roman
Cover: Menschenwerk
Aufbau Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783351036836
Gebunden, 224 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. "Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?" Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2017

Karl-Markus Gauß begibt sich mit dem Roman der südkoreanischen Autorin Han Kang in das Grauen des "Massakers von Gwangju" und seiner Folgen. Wie die Autorin die Gewalt und das Leid ohne expressive Sprache, sondern fast sachlich, doch mit eindringlichen Bildern schildert und sich dafür auf Dokumente wie Tagebücher stützt, findet er bemerkenswert. Dass dabei keine Chronik herauskommt, sondern ein Roman, liegt laut Rezensent an der Freiheit der künstlerischen Gestaltung, die die Autorin über den Quellen walten lässt, so dass die Historie zugleich individuell und exemplarisch erscheint. So kann Han Kang zugleich informieren, aufklären und verstören, schreibt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017

Juliane Liebert sieht Hang Kangs literarische Bewältigung des Massakers von Gwangju, das der Demokratie-Bewegung in Südkorea 1980 ein vorläufiges Ende bereitete, kritisch. Den Kunstgriff, das Grauen aus Sicht der Toten zu erzählen, findet sie bemerkenswert, bekommt der Leser dadurch doch eine Ahnung von der Ungeheuerlichkeit des Geschehens und der damit verbundenen Erfahrungen. Andererseits lässt sie die durchästhetisierte Konstruiertheit des Textes die individualisierte Gewalterfahrung vermissen. Den Fallen beim Erzählen von einem Massaker kann die Autorin laut Liebert weitgehend entkommen, sodass das Erzählte am Ende des Buches "ins Reale schwappt".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.10.2017

Christiane Pöhlmann anerkennt, wie die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang in ihrem Buch das Massaker von Gwanju aufarbeitet. Die leitenden Fragen nach der Grausamkeit des Menschen führen Pöhlmann in ein vielstimmiges, beinahe sachliches Panorama der Gewalt und des menschlichen Leids. Dass die Autorin darüber hinaus nur wenig Hintergrund oder historische Kontinuitäten zeigt und die Dialoge hölzern, die Figuren fremd bleiben, gefällt der Rezensentin weniger gut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2017

Rezensent Tilman Spreckelsen liest Han Kangs im koreanischen Original bereits 2014 erschienenen Roman über das Gwangju-Massaker genauso behutsam wie die Autorin. Kangs dokumentarischer Ansatz, ihr Detailinteresse und der Einbezug großer historischer Linien bis in die Gegenwart fällt dem Rezensenten dabei positiv auf. Auch, dass die Autorin das Leid nicht ästhetisiert. So kann der Text laut Spreckelsen über die Schilderung Koreas in den 80er Jahren hinauswachsen, das Allgemeine im Konkreten finde, ohne beliebig zu werden.
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Buch in der Debatte

Efeu 18.10.2024
In Südkorea herrscht Euphorie über den Literaturnobelpreis für Han Kang. Nur Kim Gyuna gießt Wasser in den Wein, berichtet Soonim Shin in der Welt: Die ebenfalls südkoreanische Schriftstellerin macht in einem Beitrag im Radiosender MBC nicht nur der Schwedischen Akademie Vorwürfe, Han Kang nur deshalb dem chinesischen Autor Yan Lianke vorgezogen zu haben, weil sie eine Frau ist - und Han Kang selbst jenen, in ihrem Roman "Menschenwerk" die Ereignisse das Gwangju-Massakers von 1980 verfälscht zu haben. Unser Resümee

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