Han Kang

Weiß

Cover: Weiß
Aufbau Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783351037222
Gebunden, 151 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. "Ich glaube, dass dies die besten Worte für einen Abschied sind. Bitte stirb nicht. Lebe."Während eines Aufenthalts in einer europäischen Stadt, die im weißen Winterschlaf liegt, überfällt die Erzählerin plötzlich die Erinnerung an ihre Schwester, die als Neugeborenes in den Armen der Mutter starb. Sie ringt mit dieser Tragödie, die das Leben ihrer Familie bestimmt hat, ein Ereignis, das in Bildern von Weiß wieder und wieder aufscheint: das Weiß der Muttermilch, der Windel, der reiskuchenweißen Haut des kleinen Mädchens.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.09.2020

Rezensentin Eva Biringer findet Han Kangs neuesten Roman "wunderbar verstörend": Eine traumatisierte Frau hat sich in einer namenlosen, wegen der frühen Dunkelheit und unerbittlichen Kälte vermutlich sehr nördlichen Stadt eingemietet und schreibt dort an einer Liste weißer Dinge, um sich selbst zu therapieren, fasst die Kritikerin zusammen. Biringer hat sich nicht gewundert, dass der Tod hier allgegenwärtig ist, denn sie weiß, dass er in fernöstlichen Kulturen mit der Farbe Weiß assoziiert wird - die Liste weißer Dinge wird zur Bewältigungsstrategie für ein Leben, zu dem auch der Tod gehört, erklärt sie. Zwar will die Kritikerin nicht leugnen, dass sie das Buch bedrückend fand, aber sie ist überzeugt, dass kaum jemand so schön über den Weltschmerz schreiben kann wie Kang.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2020

Rezensentin Hoo Nam Seelmann bewundert die südkoreanische Autorin Han Kang für ihre Fähigkeit, in wenigen Zeilen an das Geheimnis von Geburt und Sterben zu rühren. Hans neues Buch, das die Farbe Weiß in allen möglichen Erscheinungen erkundet, als Salz, Schnee, Knochen etc. hält Seelmann für ein Kleinod mit lyrischer Seele. Die kurzen Geschichten bestechen laut Seelmann durch große Dichte und Eleganz und dadurch, dass sie bewusst machen, wie sehr die Welt der Dinge mit Bedeutungen und Erinnerungen aufgeladen ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2020

Für Rezensentin Wiebke Porombka hat Han Kangs neues Buch nichts Schrilles. Im Gegenteil, die mit Fotos von einer Performance angereicherte Meditation über die Farbe Weiß und ihre Ambivalenz (als Reinheitssymbol und Ausdruck von Trauer und Tod) besticht laut Rezensentin durch klare, eindrückliche, vor allem stille Einlassungen zu Gegenständen, zum Schmerz und zu Landschaften. Prosaminiaturen, die Porombka zufolge wie eine "Art Nukleus" von Kangs Schreiben wirken.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 20.08.2020

Rezensent Dirk Fuhrig hält Han Kangs Text von 2016 für sehr viel schwächer als die Romane der Autorin. Die laut Rezensent wie ein Langgedicht daherkommmende Meditation über die Farbe Weiß im Zusammenhang mit einem Kindheitstrauma um Geburt und Tod scheint Fuhrig zwar ausgefeilt in der Form und eindringlich in ihrer Emotionalität, aber eben auch allzu oft pathetisch, bemüht und schlicht kitschig.

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