2 CDs mit 106 Minuten Laufzeit. Gesprochen von Gerd Wameling, Siegfried W. Kernen, Achim Gertz und Ingeborg Kallweit. Eine Produktion des NDR (Life-Mitschnitt).
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2003
Als "instruktive Collage" würdigt der mit dem Kürzel "kru." zeichnende Rezensenten den von Hanjo Kesting zusammengestellten Band über den wohl "prominentesten 'Bruderzwist'" der deutschen Literaturgeschichte, den Streit zwischen Thomas Mann und seinem älteren Bruder Heinrich. Die Dokumente, die Kesting präsentiert, sind nach Ansicht des Rezensenten immer auch "heimliche Spiegelungen, Projektionen" zweier ähnlich Veranlagter, die sich jahrzehntelang befehdeten, sich gegenseitig als "Zivilisationsliterat" oder als politisch ahnungslos diskriminierten. Einig ist sich der Rezensent mit Kestings Einschätzung, dass der Streit "exemplarisch" für geistige Strömungen in der ersten Jahrhunderthälfte war. Allerdings hat der ganze Streit für den Rezensenten bei "aller Tragik" auch "viel Komisches", "das aus der jeweiligen narzisstischen Disposition der Brüder herrührt".
Rolf Michaelis freut sich über den "glücklichen Einfall" Hanjo Kestings, die Auseinandersetzungen der Brüder Heinrich und Thomas Mann in dieser Dokumentation auf zwei CDs zu Gehör zu bringen. Die Hauptschwierigkeit, erkennt der Rezensent an, war es, die Seite Heinrichs angemessen zu dokumentieren, da dessen Äußerungen aus den wichtigen Jahren 1910 bis 1920 auf der Flucht vor den Nazis und im Exil verloren gegangen sind. Um so mehr weiß es Michaelis zu schätzen, wie durch Briefe und Tagebücher von Verwandten und Freunden sowie Zitate aus Heinrichs Romanen und autobiografischen Texten doch eine Rekonstruktion seiner Rolle gelinge. Und das dies ausschließlich mit "originalen Dokumenten" ohne jeden Kommentar glückt, erringt das uneingeschränkte Lob des Rezensenten.
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