Hannes Bajohr (Hg.), Markus Krajewski (Hg.)

Quellcodekritik

Zur Philologie von Algorithmen
Cover: Quellcodekritik
August Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783751890205
Kartoniert, 240 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Algorithmen bestimmen unsere Lage. Vom Google-PageRank-Algorithmus bis zur Kreditvergabe greift ihre Logik auf Schritt und Tritt in unser Leben ein. Einige von ihnen arbeiten undurchsichtig und schirmen ihr Innenleben vor neugierigen Blicken ab. Andere bemühen sich um Transparenz und folgen einer Ethik des Open Source. In beiden Fällen ist jedoch ein nicht unerheblicher Aufwand erforderlich, um die Quellcodes zu verstehen, in denen Algorithmen geschrieben sind. Codes sind besondere Texte: Sie setzen Befehle um, wenn sie ausgeführt werden, und reduzieren Expression auf Direktiven. Sie sind somit mehr und weniger als gewöhnliche Sprache. Zugleich führen sie mit der Möglichkeit zur Kommentierung stets eine Metaebene mit, auf der man sich über ihre Funktionsweise verständigen kann. Daher erfordern sie auch eine besondere Philologie. Die Quellcodekritik, die dieser Band vorstellt, ist der Versuch, Algorithmen zu erschließen, zu interpretieren und sie gegenwärtigen wie zukünftigen Leser*innen zugänglich zu machen. Sie mobilisiert einen Zugriff, der in der Informatik ebenso zu Hause ist wie in der Textkritik. Zugleich schlägt sie Strategien vor, auch mit jenen neuen Sprachmodellen umzugehen, in denen Codes nur am Anfang stehen, während ihr statistisches Inneres undurchdringlich bleibt. Die Beiträge liefern so Beispiele und Methoden, wie klassischer Code und künstliche Intelligenz lesbar zu machen sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2024

Mit großem Interesse liest Rezensent Günter Hack den von Hannes Bajohr und Markus Krajewksi herausgegebenen Band, der für eine produktive Quellcodekritik wirbt. So arbeiten die verschiedenen Autoren heraus, dass es eine "Asymmetrie der Kenntnisse" von Programmierern und Geisteswissenschaftlern gibt - dem will dieser Band entgegenwirken, schreibt Hack. Der Code wird dabei auch als "sozialer Akteur" verstanden, was Hack als Anknüpfungspunkt zu Bruno Latour erscheint. Auch die skizzierten Ideen, wie kleine akademische Institutionen es mit den Quellcodes großer Konzerne aufnehmen könnten, faszinieren den Kritiker. Der Band konzentriert sich hierbei aber stets auf den Programmtext und blickt nicht auf die Produktionsumgebungen, moniert er indes. Letztlich freut sich Hack aber über diesen Beitrag, der die Quellcodekritik "interdisziplinär auf Augenhöhe" mit anderen Geisteswissenschaften bringen will.

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