Hans-Jost Frey neuestes Buch beschäftigt sich mit dem Rhythmus in Poesie und Musik. Es versammelt seine wichtigsten Arbeiten zu Fragen des Verses aus den letzten zwanzig Jahren, beginnend mit "Verszerfall", Freys Antwort auf die Frage der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung "Welche Kriterien gibt es heute für den freien Vers?" Seine Überlegungen setzte er in den letzten Jahren fort mit Aufsätzen zum "Gang des Gedichts", Schumanns "Träumerei" und Schuberts "Winterreise" sowie Hölderlins Oden und Mallarmes Poetik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2001
Zu dieser Anthologie weiß Jürgen Brocan nichts Vergleichbares. Dem eigenen Anspruch, den historisch gewachsenen Kanon englischer und amerikanischer Dichtung sichtbar zu machen und ihn zugleich zu erweitern, werden die Herausgeber seiner Meinung nach gerecht. Weder hat sich unser Rezensent mit der Textauswahl langweilen oder bei den Übersetzungen über "nüchterne Interlinearversion" bzw. "hölzerne Prosafassungen" ärgern müssen. Die Einführungen, Erläuterungen und bio-/bibliographischen Abrisse der Bände findet er ganz vorzüglich. Beim angelsächsischen Teil der Sammlung hebt Brocan besonders die innere Spannung hervor, die sich aus der Balance zwischen bekannten und weniger bekannten Texten ergibt, und hat eigentlich nur zu bemängeln, dass nicht englischstämmige, dabei englisch schreibende Lyriker nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Der amerikanische Teil macht dem Rezensenten weniger Freude: Fehlende Hintergrundinformationen in den Übersichten, eine ergänzungsbedürftige Bibliographie und mitunter recht manieristische Übersetzungen hält Brocan für "ärgerliche, weil vermeidbare Schwächen" des Bandes.
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