Wie geriet Deutschland in den Kosovo-Krieg? Den einmal gegenüber Milošević angedrohten Luftkrieg nicht umzusetzen, schien den Akteuren der NATO-Mitgliedstaaten 1999 undenkbar. Hans-Peter Kriemann analysiert in seinem Buch die Wechselwirkungen zwischen dem internationalen politischen Prozess zur Bewältigung des Kosovo-Konflikts, der Logik militärischen Denkens und der innenpolitischen Debatte über das Wann und Wofür der deutschen Beteiligung an internationalen Einsätzen. Am Beispiel des Kosovo-Konflikts spürt er damit der Frage nach, wie solche Dynamiken zum Ausbruch von Konflikten und Kriegen beitragen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2022
Rezensent Michael Martens hat einige Kleinigkeiten auszusetzen an Hans-Peter Kriemanns insgesamt "grundsolider", quellenreicher Arbeit zum Kosovo-Krieg in deutscher Sprache. Mitunter geht ihm der Autor zu sehr in die Details, etwa wenn er die Farbbeutelattacke auf Joschka Fischer minutengenau dokumentiert oder er für die Vorgeschichte des Konflikts auf dem Balkan allein 177 Seiten benötigt. Redundanzen und sprachliche Mängel vermerkt Martens auch. Davon abgesehen findet er den Band bemerkenswert. Kriemanns umfangreiche Archivrecherchen und Zeitzeugenbefragungen sowie das "exzellente" Kartenmaterial im Band ergeben laut Martens ein umfassendes Bild der Monate März bis Juni 1999.
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