Die Arbeitstiere - in unseren Breitengraden Pferde, Esel, Maultiere, Hunde und Rinder - waren auf dem Land und in den größer werdenden Städten allgegenwärtig. Sie waren in der untersuchten Zeit wichtige Teile des sozialen Lebens und hinterliessen Spuren in der Gesellschaft, in der von und mit ihnen geschaffenen Welt sowie in den Archiven. Aus ihren produktiven Potenzialen und aus den Bedingungen ihrer Reproduktion ergaben sich bestimmte Lebensformen, Wirtschaftsweisen und Raumordnungen. Das facettenreiche gemeinsame Leben der Menschen und ihrer Arbeitstiere sowie der von ihnen geteilte Raum sind bis anhin erst in Ansätzen als eine gemeinsame Geschichte wahrgenommen und geschrieben worden. Der Autor folgt den sozial-, agrar-, wirtschafts-, verkehrs- und kulturgeschichtlichen Fährten der Arbeitstiere durch die Gesellschaft. Auf diesen treffen wir nicht nur Tiere und Menschen an, sondern mit den mensch-tierlichen Gespannen jene Form der Kooperation, in der das Handeln und das Wirken beider zu einem vielfach evidenten Dritten wurde. Die damit verbundenenFragen nach Vernunft, Intelligenz, Willen und nach Handlungsoder Wirkmacht der Tiere sind nicht neu. Sie haben die sich mit Tieren befassenden Akteur:innen seit je umgetrieben. Die Spuren führen weg vom gewöhnlich unterstellten Natur-Kultur- oder vom Subjekt-Objekt- Gegensatz und weg von den Prämissen der sogenannten anthropologischen Differenz in eine Welt, in der Menschen und Tiere nah miteinander verbunden waren und mehr voneinander wussten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2024
Rezensent Urs Hafner staunt, wie eindringlich Hans Ulrich Schiedt in seinem Buch zeigen kann, inwieweit Arbeitstiere unsere Moderne mitgeprägt und -getragen haben, Zughunde, Droschkengäule, Rinder und andere mehr prägten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur das Land, sondern auch das Stadtbild, stellt Hafner bei Sichtung der vielen Bildquellen im Band fest. Sie waren unerlässlich für den Warentransport, aber auch in anderen Kontexten, erklärt der Rezensent. Überraschend für ihn auch, wie gründlich sie verschwanden, von der Straße und aus dem Gedächtnis. Als wollte der Mensch die Moderne als sein alleiniges Werk darstellen, so Hafner. Dagegen positioniert sich der Band des Historikers Schiedt laut Hafner als "Pionierstudie".
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