Eine Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik seit 1990
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406845611 Gebunden, 368 Seiten, 30,00
EUR
Klappentext
Vom Musterknaben zum Patienten? Die deutsche Wirtschaft seit der Wiedervereinigung Die Bundesrepublik befindet sich mitten in einer "Zeitenwende" und steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. In Politik und Medien kursieren viele irreführende Interpretationen der jüngeren Wirtschafts- und Sozialgeschichte, aus denen Handlungsempfehlungen für die Zukunft abgeleitet werden. Die Feinde der Demokratie zeichnen düstere Bilder und fordern radikale Veränderungen. Umso wichtiger ist es, eine nüchterne Bilanz der sozioökonomischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vorzunehmen. Das neue Buch des Wirtschaftshistorikers Hartmut Berghoff bietet eine Bilanz der Leistungen und Probleme der frühen Berliner Republik. Es benennt ihre Stärken, aber auch gravierende Fehlentwicklungen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Erfolge die alten Strukturen verfestigten und notwendige Neuaufbrüche verhinderten. Die Bundesrepublik wurde zu einem Land der Widersprüche. "Trügerischer Wohlstand" ist die erste wirtschaftshistorische Analyse der Geschichte der Berliner Republik von der Wiedervereinigung bis zur Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2026
Der Historiker und Rezensent Dietmar Süß lobt Hartmut Berghoffs Wirtschaftsgeschichte der Berliner Republik. Was der Wirtschaftshistoriker über die Zeit zwischen Mauerfall und Corona zu berichten weiß, besticht laut Süß weitgehend durch nüchterne Analyse und einen unaufgeregten Ton. Berghoffs Darstellung des Wandels der deutschen Wirtschaft vom "Rheinischen Kapitalismus" zur Globalwirtschaft gefällt Süß gut. Wenn der Autor jedoch zur Staatskritik ansetzt, verfehlt er laut Rezensent die selbstgesetzten Ziele. Zum Glück findet der Autor aber zurück zu einer Beurteilung und historischen Verortung der Lage, die Süß gutheißen kann. Indem Berghoff gegen die Untergangsstimmung argumentiert, ohne die Probleme zu verschweigen, gelangt er zu einer insgesamt ausgewogenen Darstellung, die dennoch Streitpotenzial bietet, lässt uns Süß wissen.
In seinem neuen Buch widmet sich der Historiker Hartmut Berghoff der durchaus turbulenten deutschen Wirtschaft seit 1990 auf eine ausgewogene und gut strukturierte Weise, wie Rezensent Winfried Dolderer findet. Er benennt die Zeit seit dem Ende der DDR bis zum Beginn von Corona als "frühe Berliner Republik", in der sich viele bis heute wichtige Entwicklungen von Digitalisierung bis Internationalisierung vollzogen haben, lesen wir. Die klassischen Unternehmensstrukturen seien aufgebrochen worden, es sei zunehmend um die "Steigerung des Börsenwertes" gegangen. Völlig demontiert wurde das deutsche Unternehmertum aber nicht, versichert Berghoff, auch die Industrie blieb stark, nur die Reallöhne stiegen weniger stark als das Bruttoinlandsprodukt, so Dolderer. Klar benennt der Autor auch die Verfehlungen der Politik, gerade unter Angela Merkel und zeigt auf, dass außerdem eine sinnvolle Agenda für die Zukunft fehlt. Eine lohnende Lektüre, schließt der Kritiker.
Viele Dinge liefen in den letzten 30 Jahren besser als gemeinhin behauptet wird, erklärt der Ökonom Hartmut Berghoff, der ein Buch über die Wirtschaftsgeschichte der BRD seit 1990 geschrieben hat, im Zeit-Online-Interview. Die Behauptung, es sei nach der Wende zu einem "Ausverkauf an den Westen" gekommen, kann er so nicht stehen lassen: "Hier muss man unterscheiden. Großbetriebe hat die Treuhand tatsächlich oft an westdeutsche oder ausländische Eigentümer verkauft, zum Teil unter Wert. Bei mittleren und kleinen Betrieben kamen hingegen vielfach Ostdeutsche zum Zug. Die Sektkellerei Rotkäppchen ist dafür ein prominentes Beispiel, diese wurde von internen Führungskräften übernommen. Ebenso kam es Anfang der 1990er-Jahre zu vielen Neugründungen von kleinen Unternehmen, etwa von Handwerksbetrieben oder Kfz-Werkstätten. Keine Frage: Es wurden in dieser Zeit viele Fehler gemacht, bisweilen mit krimineller Energie vorgegangen. Aber insgesamt handelte es sich um einen geordneten Privatisierungsprozess, der nicht mit jenen anarchischen Zuständen vergleichbar ist, wie sie Anfang der 1990-Jahre in Russland herrschten." Unser Resümee
Viele Dinge liefen in den letzten 30 Jahren besser als gemeinhin behauptet wird, erklärt der Ökonom Hartmut Berghoff, der ein Buch über die Wirtschaftsgeschichte der BRD seit 1990 geschrieben hat, im Zeit-Online-Interview. Die Behauptung, es sei nach der Wende zu einem "Ausverkauf an den Westen" gekommen, kann er so nicht stehen lassen: "Hier muss man unterscheiden. Großbetriebe hat die Treuhand tatsächlich oft an westdeutsche oder ausländische Eigentümer verkauft, zum Teil unter Wert. Bei mittleren und kleinen Betrieben kamen hingegen vielfach Ostdeutsche zum Zug. Die Sektkellerei Rotkäppchen ist dafür ein prominentes Beispiel, diese wurde von internen Führungskräften übernommen. Ebenso kam es Anfang der 1990er-Jahre zu vielen Neugründungen von kleinen Unternehmen, etwa von Handwerksbetrieben oder Kfz-Werkstätten. Keine Frage: Es wurden in dieser Zeit viele Fehler gemacht, bisweilen mit krimineller Energie vorgegangen. Aber insgesamt handelte es sich um einen geordneten Privatisierungsprozess, der nicht mit jenen anarchischen Zuständen vergleichbar ist, wie sie Anfang der 1990-Jahre in Russland herrschten." Unser Resümee
"Für die Vorstellung, Deutschland werde verarmen oder unter das Niveau von Entwicklungsländern fallen, sehe ich keinerlei Indizien", hält der Wirtschaftshistoriker Hartmut Berghoff den "Propheten des Untergangs" im FR-Interview entgegen. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei keineswegs so schlecht wie oft behauptet, meint Berghoff, der ein Buch über die Wirtschaftsgeschichte der BRD geschrieben hat. Reformen sind aber trotz allem notwendig, hier empfiehlt er beispielsweise beim Sozialstaat genau hinzuschauen. Unser Resümee
Der Historiker Hartmut Berghoff will in der FAZ zwar nicht gegen den Föderalismus plädieren, aber gegen Miniländer wie Bremen, das Saarland oder einige der nur rudimentär bevölkerten neuen Länder schon (obwohl er sich bewusst ist, dass es derzeit keine Chance für eine Reform gibt): "2020 gab es 157 Landesministerien, die mit großem Aufwand lähmende Komplexität produzierten." Unser Resümee
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