Hartmut Lehmann (Hg.), Heinz Schilling (Hg.), Hans-Jürgen Schrader (Hg.)

Jansenismus, Quietismus, Pietismus

Cover: Jansenismus, Quietismus, Pietismus
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783525558263
Gebunden, 298 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Zwischen Anhängern des Jansenismus, des Quietismus und des Pietismus bestanden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Frankreich, der Schweiz und in Deutschland zahlreiche direkte und indirekte persönliche und literarische Verbindungen und Beziehungen. Außerdem gibt es bemerkenswerte strukturelle religiöse, soziale und kulturelle Ähnlichkeiten, aber auch aufschlussreiche Unterschiede zwischen diesen drei Bewegungen. Experten aus verschiedenen Disziplinen und verschiedenen Ländern diskutieren die Aspekte dieser Fragestellung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2003

Als "Brückenschlag zwischen deutschsprachigen Pietismusforschern und französischen Jansenismusforschern" würdigt Rezensent Harm Klueting den von Hartmut Lehmann und anderen herausgegebenen Band "Jansenismus, Quietismus, Pietismus", der zehn deutsche und fünf französische Aufsätze versammelt. Klueting hebt insbesondere den Beitrag von Wolfgang Mager über die "jansenistischen Wurzeln der politischen Nationsbildung in Frankreich" hervor, der zeige, wie Vivien de La Borde 1714 den Gläubigen die Entscheidung über die Stichhaltigkeit lehramtlicher Urteile zuwies. Jahrzehnte vor der Erklärung des dritten Standes zur "Nation" habe der Oratorianerpater die katholischen "Laien" zur "nation sainte" erklärt. Mager sehe in dieser Wahrnehmung des Kirchenvolks als "heilige Nation" das "moderne Konzept der Nation als Zusammenschluss rechtsgleicher Staatsbürger zur Bürgernation" (Mager), hält Klueting fest. Daneben erwähnt Klueting den Aufsatz von Hanspeter Marti über quietistische Mystik beim Pietisten Gottfried Arnold sowie Alfred Messerlis Studie "Pietistische Strömungen im katholischen Kanton Luzern in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts", die die Gegenrichtung beschreite.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2002

Der in der frühen Neuzeit einsetzende, in Deutschland besonders durch den Pietismus vertretene Mentalitätswandel - die Berufung auf Erfahrung, Herz und Individualität - war weder ein bloß regionales, noch ein rein protestantisches Phänomen, berichtet Friedemann Voigt und fügt hinzu, dass europäische und interkonfessionelle Bezüge heute "stärker in den Blick geraten". So untersucht der von Hartmut Lehmann und anderen herausgegebene Band "Jansenismus, Quietismus, Pietismus" das Beziehungsgeflecht zwischen protestantisch-deutschem Pietismus und katholisch-französischem Jansenismus. Dem Band gelingt es nach Ansicht Voigts, eine Brücke zwischen der französischen Jansenismus- und der deutschen Pietismusforschung zu schlagen - worauf die Herausgeber zu Recht stolz seien. Zum Bedauern des Rezensenten fehlten allerdings wichtige forschungsgeschichtliche Untersuchungen. Die Jansenismus-Studie des Max Weber-Schülers Paul Honigsheim etwa hat er schmerzlich vermisst.

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