Ein Mann, ein Land, ein Fahrrad - Hasnain Kazim unterwegs, auf der Suche nach der deutschen SeeleHasnain Kazim zieht aus, sein Land zu erkunden. Mit seinem Lieblingsverkehrsmittel, dem Fahrrad, macht er sich auf, ein aktuelles Deutschlandporträt zu zeichnen. Was eint die Menschen, was trennt sie? Kazim radelt entlang von Elbe, Ruhr, Rhein, Oder/Neiße, Neckar und Donau und lässt dem Zufall Raum. Er trifft unterschiedliche Menschen, spricht mit ihnen über ihr Leben in diesem Land: Worüber darf man eigentlich noch lachen? Was ist Heimat? Das Buch ist auch eine Selbstverortung: Von einigen wird Hasnain Kazim regelmäßig sein Deutschsein abgesprochen. Wann und wie also gehören Menschen hierhin? Was ist Diversität? Kann man mit Wohlwollen und Zugewandtheit nicht doch mit allen reden, sie vielleicht sogar versöhnen und Gräben überwinden? Eine Fahrradtour in dem Versuch, mit der Kraft des Wortes zu verbinden. Und die deutsche Seele zu ergründen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.01.2025
Rezensentin Cornelia Geißler wirkt nicht vom Hocker gerissen von Hasnain Kazims Buch, scheint die Lektüre aber doch anregend zu finden. Der ehemalige Spiegel-Journalist, geboren 1974 in Oldenburg, der auch schon in Pakistan, der Türkei und Österreich gewohnt hat, berichtet darin von seiner Fahrradtour durch Deutschland und von seinen Begegnungen und Reflexionen. Inspiriert von einer zunehmenden Entfremdung von Deutschland habe er mit vielen Menschen gesprochen, mit AfD-Wählern, Experten, seiner alten Grundschullehrerin oder zufälligen Begegnungen, und denkt dabei auch über eigene Klischees nach, erklärt Geißler anerkennend. Ein besonderes Anliegen war ihm dabei auch, gerade in Ostdeutschland diverse Meinungen abzubilden; die Kritikerin beobachtet hier "Bemühen und Empathie für den Osten". Ergänzt werde der Reisebericht durch "Wikipedia-Recherchen". Für Geißler insgesamt eher eine Sammlung von "Einzeleindrücken" als eine wirkliche Antwort darauf, was Deutschland zusammenhält, aber allemal ein gutes Beispiel des Hinsehens und Zuhörens als Mittel, um "Trennendes zu überwinden", schließt sie.
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