Wir sind mittendrin im Rechtsruck. Die Gesellschaft steht unter Spannung. Das betrifft vor allem Minderheiten wie Migrant:innen, die LGBTQ+ Community, Persons of Colour, Menschen mit Behinderung. Das ist jede:r Fünfte in unserer Gesellschaft. Für die Mehrheitsbevölkerung ist Rechtspopulismus eine abstrakte Gefahr. Für Minderheiten ist er dagegen eine äußerst reale und existenzielle Gefahr. Wie konnte es so weit kommen? Und was bedeuten die aktuellen Entwicklungen konkret für Minderheiten in Europa?Wenn es um den gesellschaftlichen Rechtsruck geht, stehen nur selten jene Menschen im Mittelpunkt, die die Auswirkungen der zunehmenden Ausgrenzung am stärksten erleben. Michael Hunklinger ändert das und erzählt persönliche Geschichten von Menschen, die nicht in die sogenannte "gesellschaftliche Norm" passen. Gerade sie brauchen Selbstvertrauen, Geradlinigkeit und Courage. Mehr denn je sind aber auch Politik und Gesellschaft gefordert, sich aktiv an ihre Seite zu stellen. Wir haben immer eine Wahl. Michael Hunklinger macht deutlich, dass Warnungen vor AfD, FPÖ und Co nicht genug sind.
Rezensent Frédéric Valin sympathisiert unbedingt mit dem Ansatz dieses Buches, im Verlauf seiner Besprechung werden allerdings auch gar nicht mal so wenige Einwände laut. Autor Michael Hunklinger wendet sich den Marginalisierten der Gesellschaft zu, die in Zeiten des Rechtsrucks einen immer schwereren Stand haben. Gegen den rechten Zeitgeist macht Valin vor allem das Faktum stark, dass Marginalisierte - die sich meist nicht selbst so bezeichnen, sondern zu Marginalisierten gemacht werden - weiterhin existieren werden, auch wenn es dem Mainstream nicht passt. Das alles ist nicht theoretisch durchargumentiert, sondern appelliert eher an die Gefühle der Leser, wenn der Autor sich in Lebenswirklichkeit der Betroffenen einfühlt. Konkret geht es um einen intersektionalen Kampf, also um das Neben- und Ineinander verschiedener Diskriminierungsformen, wobei, und hier setzt Valins Kritik an, Hunklinger vor allem über queere und von Rassismus betroffene Menschen schreibt, während Menschen mit Behinderung eher pro forma eingemeindet werden - hier und da schleichen sich gar ableistische Formulierungen in den Text. Außerdem hat der Text, findet Valin, eine konservative Schlagseite, da er keine neuen Ideen für einen Widerstand gegen die Verhältnisse entwickelt. Letztlich ist das ein Buch, das auf die gesellschaftliche Mitte zielt und als solches hat es, meint Valin, einigen Wert.
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