Bearbeitet von Brigitta Oestreich. Herausgegeben von Robert Jütte und Gerhard Hirschfeld. Er war ein bedeutender deutscher Geschichtsprofessor, sie war die zweite Frau, die in Deutschland im Fach Geschichte erfolgreich habilitierte. Dass ein Hochschullehrer seine wesentlich jüngere Schülerin heiratete, war im Kaiserreich und selbst noch in der liberalen Berliner Gesellschaft der 1920er Jahre mehr als ungewöhnlich. Zudem bestand Hedwig Hintze nach der Heirat darauf, ihre wissenschaftliche Karriere fortzusetzen. Dies sorgte nicht nur in Gelehrtenkreisen für erhebliches Aufsehen. Als Historikerin jüdischer Herkunft und engagierte Demokratin mußte Hedwig Hintze bald nach der nationalsozialistischen Machtergreifung Deutschland verlassen. Ihr gesundheitlich bereits sehr angegriffener Mann blieb in Berlin zurück. Dass die Liebe in dieser Zeit der Trennung noch wuchs und Hedwig Hintze ihrem hilfsbedürftigen Mann aus dem niederländischen Exil, so gut sie es nur konnte, beistand, wie andererseits Otto Hintze ihr beständig Mut zusprach, belegen die durch Zufall erhaltenen Dokumente einer intensiven Korrespondenz. Das Schicksal einer ungewöhnlichen Ehe, die durch die politischen Ereignisse aus den Fugen geriet, spiegelt sich darüber hinaus auch in den zusätzlich aufgenommenen Berichten von Freunden und Weggefährten. Die Briefe und zahlreichen Postkarten, die Otto an Hedwig schrieb, sind ein bewegendes Zeugnis für eine ebenso liebevolle wie intellektuelle Partnerschaft. Es sind, für die Zeit nach 1939, auch Dokumente eines Alltags, der neben allen Nöten und existentiellen Bedrohungen, die das Leben in Diktatur und Exil mit sich brachte, stets noch Raum für die Erörterung wissenschaftlicher Fragen bot.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2005
Die Teenachmittage bei Hintzes scheinen im Berliner Gelehrtenmilieu der zwanziger Jahre für viele Männer ein irritierendes Schauspiel gewesen zu sein, berichtet Rezensent Hartwin Brandt. Neben dem spröden Geschichtsprofessor mit preußischer Gesinnung habe da nämlich seine temperamentvoll debattierende Ehefrau mit französisch revolutionären Ansichten gesessen. 1933 verlor Hedwig Hintze aufgrund ihrer jüdsichen Herkunft ihr Lehramt an der Berliner Universität und ging nach Frankreich, der bereits 72jährige Otto Hintze blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1940 in Berlin. Von 1939 an habe Otto Hintze beinahe täglich einen Brief an Hedwig geschrieben, so der Rezensent, ihre Briefe aus dieser Zeit seien jedoch vernichtet worden. Insbesondere aus diesen späten Briefen gehe eindeutig hervor, so Brandt, dass die Politik die Beziehung der beiden nicht zerstört habe, entgegen aller "Vermutungen" in diese Richtung. Der Briefwechsel des Ehe- und Wissenschaftlerpaares Hintze, verneigt sich abschließend der Rezensent , dokumentiere eine der "bewegendsten Episoden der deutschen Gelehrtengeschichte".
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