Wie alt ist der Wettbewerb? Begann er mit Kain und Abel? Mit den Olympischen Spielen in der Antike? Vermutlich ist er dem Menschen seit Urzeiten innewohnend. Man denke nur an Thomas Hobbes' Spruch: "Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf." Sandra Richter, Germanistik-Professorin in Stuttgart, beleuchtet die ganze Bedeutungsbreite des Begriffs Wettbewerb. Den perfekten Wettbewerb gibt es nicht. Richter bezieht die Werke der Weltliteratur von Grimmelshausen bis Zola, von Goethe bis Upton Sinclair und von Thomas Mann bis Wolfgang Herrndorf in ihre Überlegungen ein und verbindet die großen Denker der Ökonomie wie Locke, Marx und Schumpeter mit den Schildbürgern, Nathan dem Weisen und den Buddenbrooks. "Wir befinden uns in einem Wettbewerbsdilemma. Ganz ohne Wettbewerb geht es nicht - und nur mit ihm auch nicht." Die Grenzen des Wettbewerbs verlaufen entlang der Menschlichkeit: der Gefühle, Werte und Kulturen.
Camillo von Müller nutzt seine Besprechung von Sandra Richters "Mensch und Markt" zum ausgiebigen Namedropping. Mit ihrem Essay, in dem Richter literarische Texte von der Antike bis zur Gegenwart nach wirtschaftswissenschaftlichen Positionen befragt, folge die Autorin einer wissenschaftliche Strömung, die auch von Benjamin Friedman, Deirdre McCloskey und Joseph Vogl vertreten wird, so der Rezensent. Im Spektrum von Richters Studie, das "von Aristoteles und Jane Austen bis zu Juli Zeh und Émile Zola" reicht, vermisst von Müller allerdings Daniel Defoe, Walter Benjamin, Silke Stratmann und Samuel Weber. Seis drum, das Buch bietet für den Rezensenten auch so einen "beachtlichen Katalog literaturhistorischer und -analytischer 'Tweets'" und eine "Fülle kluger Querverweise".
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