Evelyn Finger möchte sich in ihrer Begeisterung für die Kleistschen Novellen "mehr solche Dichter wünschen und russische Grafen, die anstatt mit der Tür ins Haus zu fallen, umständlich sich erklärend, unser Herz im Sturm erobern". Das Herz der Rezensentin schlägt vor allem für die kompliziert verschachtelte Kleistsche Sprache, die sich wohltuend von der "glatten, dummen Schnelligkeit" jener Literatur abhebt, die seit der Aufklärung von "Textoptimierungsseuche" und "Hauptsatzidiotie" befallen scheint. Kleist hingegen "stellt seine Figuren in ein Gewirr aus Relativsätzen, temporalen und kausalen Erläuterungen, das ähnlich unbegradigt wirkt wie das echte Leben". In der "Marquise von O." verliert sich besagter Graf in Abschweifungen und Andeutungen während er "spontan" seine Liebe erklärt. Bei Kleist müsse man zwischen den Zeilen lesen, in seinen Novellen wird "mehr geahnt als gewusst". Finger führt dieses tastende Zögern auf Kleists Überzeugung von der Begrenztheit der Sprache zurück. Zeitgenossen berichten von der "Unbestimmtheit seiner Rede, die sich dem Stammeln nähert".
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