Die Spitzenpolitiker der Generation, die in den 60er und 70er Jahren den sozialen Aufstieg geschafft hat, kappen die Verbindung nach unten. Die neuen Gesetze fördern die neue Armut. Die Führungsschicht in Politik und Wirtschaft kompostiert die soziale Verantwortung. Ihre Reformpolitik ist einseitig und gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft. Sie schützt nicht vor sozialen Risiken, sondern produziert diese Risiken neu. Sie fördert nicht den Gemeinsinn, sondern praktiziert Gemeinheit. Sie entsorgt die Solidarität und belastet damit die Familien mit Kindern. Die Leute werden arm gemacht, kriegen aber keinen Job. Die Folgen einer Politik, die weder sozial noch christlich, sondern vor allem unanständig ist, sind abzusehen: Die Volksparteien entfremden sich dem Volk, die Wähler laufen in Massen weg. Dann schlägt die Stunde des Populisten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2005
Karen Horn geißelt Heribert Prantl für sein Buch "Kein schöner Land", als habe er eine persönliche Attacke auf sie selbst geritten mit seinen "platten Anwürfen", die sich summieren zu einem flammenden Plädoyer für den Sozialstaat. Manchmal war Frau Horn "regelrecht" erheitert von den "leichtfertigen" Urteilen, "der dünnen philosophischen Untermauerung" und dem "allzu simplen Weltbild". Das sagt sie zumindest; eigentlich klingt sie aber mitnichten erheitert. Eher erbittert. Sie wirft dem Autor einige faktische Schludrigkeiten vor, was das Verhältnis von Neokeynesianismus und ökonomistischer Neoklassik betrifft. Und überraschend bezeichnet sie Herrn Prantl als "Sozialisten", weil er fordert, persönliches Eigentum der Sozialpflicht zu unterwerfen. Als Fazit der Rezension eignet sich die mittendrin auftauchende Formulierung: "bodenlos anmaßend".
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 17.03.2005
Heribert Prantl gehört zu den allgegenwärtigen Reformgegnern und Anti-Liberalen im Land, charakterisiert Ulrike Winkelmann den Redakteur der "Süddeutschen Zeitung", der sich seit der Verkündung des Kanzlerprogramms "Agenda 2010" zum Verteidiger und Rächer des Sozialstaats berufen fühle. Als habe er sämtliche seiner Kommentare zu einer 2oo-seitigen "Wutrede" zusammengefügt, hebe Prantl nun in großem Bogen zur Verteidigung des Sozialstaats an, "dass es eine Art hat", wie die Rezensentin erstaunt bemerkt. Diese Art sei einerseits von Prantls juristischer Ausbildung geprägt und dabei stark am Verfassungsgebot der Sozialstaatlichkeit und am Arbeitsrecht orientiert, andererseits sei sie schlicht bildungsbürgerlich, konstatiert Winkelmann. Kein juristischer Fakt bleibt ohne literarischen Vergleich oder wenigstens ein lateinisches Zitat, was ihm den Beifall auch des konservativen Publikums sichern wird, prophezeit die Rezensentin. Prantl trage seinen Argumente "schmissig" und überzeugend vor, bis auf einen Schwachpunkt. Er wird dort ungenau, "wo er bürgerliche Werte von links verteidigt". Dass Familien unbedingt Armutsopfer sind, zieht Winkelmann beispielsweise in Zweifel. In solchen Fällen wünscht sie sich etwas weniger Wut und bessere Argumente.
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