Aus dem Griechischen von Ludwig Bernays. Zweihundert Jahre nach der berühmten Odyssee-Übersetzung von Johann Heinrich Voss läßt sich ein neues Interesse an Homer und den homerischen Epen feststellen. Dem damit entstandenen Bedürfnis nach einer gut lesbaren Neuübertragung der Originaltexte in heutiges Deutsch sind seit Mitte des letzten Jahrhunderts mehrere Arbeiten nachgekommen, denen sich das vorliegende Buch anschließt. Dabei wird hier an der von Voss begründeten Tradition des deutschen Hexameters festgehalten mit dem Bestreben, der ungekünstelten Sprache Homers möglichst nahe zu kommen. Auch der oft nicht genügend beachtete Humor des Dichters und seine Freude an Wortspielen, Sarkasmen und tiefsinniger Ironie sollen in dieser Übersetzung zur Geltung kommen. Insbesondere aber wurde Wert darauf gelegt, die anscheinend genau durchdachten Textgliederungen nach einfachen Proportionen klar erkennbar zu machen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2010
Hans-Albrecht Koch sieht mit Ludwig Bernays' Übertragung der "Odyssee" von Homer den deutschen Übersetzungen seit Johann Heinrich Voss eine "interessante" neue Fassung gegenübergestellt, glaubt aber zugleich, dass hier ein übersetzerischer Trend an seine Grenzen kommt. Der Schweizer Übersetzer bemüht sich nämlich stark um Vereinfachung und leichtere Verständlichkeit, ist dafür aber auch bereit, einiges des griechischen Originals unter den Tisch fallen zu lassen, wie Kochs Vergleich mehrerer Versionen eines Satzes aus der Odyssee deutlich macht. Damit habe man vielleicht nicht so sehr einen "griechischen Homer in deutschem Gewand", sondern eher einen "deutschen Homer" vor sich, denkt sich der Rezensent, der allerdings betont, dass das Original seiner Ansicht nach eine weiter gehende Eindeutschung "nicht verträgt".
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