Aus dem Chinesischen von Karin Hasselblatt. In ihrem Roman erzählt Hong Ying von vier Frauen und ihren ungewöhnlichen wie tragischen Schicksalen. Einfühlsam und bewegend beschreibt sie die immensen Spannungen, denen die Menschen im heutigen China ausgesetzt sind: zwischen Gestern und Heute, zwischen Mann und Frau, zwischen Arm und Reich, zwischen bigotter und freier Sexualität. Liu Cui ist eine vielbeschäftigte Wissenschaftlerin, die in einem renommierten Pekinger Labor arbeitet. Ihren Mann, Direktor beim großen Staudammprojekt im Süden, sieht sie nur selten. Hat er eine Affäre? Um das herauszufinden, reist Liu Cui in ihre alte Heimat am Jangtse-Fluß. Am Drei-Schluchten-Staudamm, gepriesen als das neunte Weltwunder, sieht sie Vertreibung und Korruption im Namen der Regierung, im Namen ihres Mannes. Aus einer Stippvisite wird eine Reise zurück in die Vergangenheit ihrer Familie. Allmählich taucht aus den Wassern des Jangtse eine qualvolle und übersinnliche Geschichte empor.
Susanne Messmer bespricht drei Romane von chinesischen Autorinnen, die sie insbesondere in ihrem "Umgang mit Erinnerung" für repräsentativ für ihre jeweilige Generation sieht. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie von den ersten zwei der auf Deutsch erschienen Bücher Hong Yings wenig begeistert ist und lobt den vorliegenden Roman verhalten als das "bislang erträglichste" Buch der Autorin. Darin reist eine Wissenschaftlerin zum Drei-Schluchten-Damm, weil sie den Verdacht hat, dass ihr dort als Direktor arbeitender Mann eine Geliebte hat, und findet dabei heraus, dass in dem nahe gelegenen Dorf ihrer Kindheit die Bevölkerung um das Geld für ihre Umsiedlung betrogen wird, resümiert die Rezensentin. Auch wenn es ihr offensichtlich scheint, dass dieser Roman auf ein "westliches Publikum" zugeschnitten ist, findet Messmer die Schilderung, wie sich die Protagonisten zu ihrer "Vergangenheit vorkämpfen" dennoch "beeindruckend".
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