Hryhir Tjutjunnyk

Drei Kuckucke und eine Verbeugung

Erzählungen
Cover: Drei Kuckucke und eine Verbeugung
Weissbooks, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783863372132
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Ausgewählt und aus dem Ukrainischen übersetzt von Beatrix Kersten. Hryhir Tjutjunnyks Erzählungen eröffnen kleine Welten, in denen das Leben fragil erscheint vor der Übermacht der Umstände. Trotzdem sind seine Figuren von unhintergehbarer Würde und unvergesslicher Schönheit. Liebevoll und zugleich mit der lakonischen Distanz des Melancholikers schildert er das Los der einfachen Menschen im Donbass der Nachkriegszeit und eröffnet so Einblicke in die Tiefenstruktur einer Region, die heute wieder in aller Munde ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.05.2026

"Subtiler Impressionismus statt tönender Ideologie" stellt Rezensent Christian Thomas begeistert in den Erzählungen des ungarischen Schriftstellers Hryhir Tjutjunnyk fest. Von den fürchterlichen Repressionen der Sowjets gegen ihn ließ sich Tjutjunnyk nicht kleinkriegen und bis zu seinem Freitod im Jahr 1980 "verfügte er selbst über sein Leben" und sein Werk, so Thomas. Der Kritiker ist allerdings froh, dass die Nachwelt dem letzten Willen des Autors, sein ganzes Hab und Gut zu verbrennen, nicht nachgekommen ist, so kommt er in den Genuss dieser 13 "filigranen Erzählungen", die Beatrix Kersten ausgewählt, übersetzt und mit einem Nachwort versehen hat. Vor allem faszinieren den Kritiker die "grandiosen" Schilderungen von Natur "bis hin in die feinsten Verästelungen der Fauna und Färbungen des Firmament". Als Trostspender tritt hier die Natur auf, lesen wir, die den vielfältigen Figuren als Hoffnungsschimmer gilt, gegen Unterdrückung, irrsinnige Produktionsvorgaben, die Härten der sowjetischen Moderne. Diese "poetisch hochkonzentrierte Prosa" erinnert den Kritiker weit mehr an italienischen Neorealismus als an als sozialistischen Realismus, die Lektüre empfiehlt er nachdrücklich.  

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.01.2025

Ein glückliches Leben hatte der ukrainische Autor Hryhir Tjutjunnyk wahrlich nicht. 1931 geboren war es vom Holodomor geprägt, vom zweiten Weltkrieg und vom Stalinismus. Vom offiziellen sowjetischen Literaturbetrieb missachtet und gedemütigt, verfiel Tjutjunnyk dem Alkohol nahm sich 1980 das Leben - Angaben, die der Kritiker Jörg Plath dem "informativen Nachwort" der Herausgeberin und Übersetzerin Beatrix Kersten entnimmmt. Die Geschichten selbst sind "zart", erzählen von Dörflern und der Heimat, doch immer wieder gibt es etwas Verstörendes, ein plötzliches Schweigen, so Plath. Gott ist schon lange tot und die Russifizierung der Ukraine schreitet unaufhaltsam voran - Plath spürt die "leise Trauer" um das Verlorene.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.08.2024

Der Ukrainer Hryhir Tjutjunnyk ist Zeit seines Lebens nicht im sowjetischen Literatur-Mainstream angekommen, weiß Kritikerin Katharina Granzin, zu weit waren seine naturbetonten Erzählungen vom sozialistischen Realismus entfernt, sodass sie auch erst über vierzig Jahre nach seinem Tod auf Deutsch erscheinen. Zwischen Kindern, die neugierig und träumerisch durch den Wald spazieren und alten, isolierten Männern spielt immer der Trost der Natur die wichtigste Rolle in den Texten, deren einfühlsame Sprache Beatrix Kersten kongenial übersetzt hat, verrät Granzin. Sie verliert sich gerne in den Geschichten, in denen "noch die kleinsten Einzelheiten belebend" wirken, wie sie resümiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2024

Die hier versammelten Erzählungen von Hryhir Tjutjunnyk sind nun erstmals dem deutschen Publikum zugänglich und Rezensent Ulrich M. Schmid freut sich sehr darüber. Der Anfang der Dreißiger Jahre geborene ukrainische Autor verwandelt darin, so Schmid, die traumatischen Umstände seines von der Geschichte der Sowjetukraine geprägten Lebens - die Hungersnot von 1932/33 und die Ermordung des Vaters im Kontext des Stalin-Terrors - in die "ewige Gegenwart des einfachen Lebens". Tjutjunnyks literarischer Impressionismus verweigert sich dabei, lobt der Rezensent, dem ästhetischen Regelwerk des sozialistischen Realismus. Ohne "effekthascherische Pointen" und mit persönlicher Note erzähle der Autor von gewöhnlichen Menschen wie der dreifachen Witwe Marfa oder dem im Sommer in einer kleinen Hütte am Fluss lebenden Fischer Danylo. Ein bedeutender Erzählungsband, dessen sorgfältige Zusammenstellung und Übersetzung ins Deutsche durch Beatrix Kersten Schmid vom Rezensenten sehr begrüßt wird.

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