Seinem literarischen Nein von 1916 ("Dada") und der politischen Generalabrechnung von 1919 ("Kritik der deutschen Intellektuellen") ließ Hugo Ball 1923 mit seinem Buch "Byzantinisches Christentum" eine religionsgeschichtlich argumentierende Neubestimmung der eigenen Position folgen. Dieses eigentümlich sperrige Werk wurde von christlichen Theologen weithin mit Kopfschütteln und Unverständnis aufgenommen und trug selbst für wohlmeinende Freunde Züge des Skandalösen. Auch die literaturwissenschaftliche Forschung sollte sich später diesem Text verweigern. Der von Ball - auf Anregung Hermann Hesses - gewählte Untertitel, der das Buch der gängigen katholischen Hagiografie zuzuordnen scheint, tat ein Übriges, um das Werk weitgehend in Vergessenheit geraten zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2011
Für Rezensent Bernhard Lang ist dieses Buch eine Überraschung: Autor dieser Abhandlung über "Byzantinisches Christentum", die sich am Beispiel der Heiligen Johannes Klimakus, Simeon der Stylit und insbesondere Dionysos Areopagita mit spätantikem Katholizismus beschäftigt, ist der Journalist, Bohemien und Avantgardist Hugo Ball, vor allem bekannt als Begründer des "Dada" und des Cabaret Voltaire. In dieser langen Predigt, die mit einer kommentierten Heiligenlegende und einem theologiegeschichtlichem Bericht angereichert ist, rät Ball seinen Lesern zu "mönchischer Weltflucht". Über die teilweise "mangelhaft" beherrschte, auch von den zeitgenössischen Rezensenten kritisierte theologische Sprache kann der Kritiker mit gutem Gewissen hinwegsehen - zu "brillant" und "suggestiv" erscheint ihm Balls Stil. Auch dank des gelehrten Nachwortes Bernd Wackers empfiehlt Lang diese Apologie nicht nur Freunden der "Ballistik".
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