Für eine "kostbare Perle" unter der litauischen Literatur, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Frankfurter Buchmesse steht, hält Katharina Granzin den bereits 1963 im Original erschienenen Roman "Remis für Sekunden" von Icchokas Meras. Darin muss der junge Jude Issak gegen einen Ghettokommandanten Schach spielen. Verliert er, kommen sämtliche Kinder des Ghettos ins KZ, gewinnt er, müssen er und seine Geliebte Esther sterben, berichtet die Rezensentin. Worum es hier gehe, sei nicht vordringlich der drohende Tod, sondern die "Ahnung von Freiheit", meint Granzin. Dieses Thema spiele der Autor in vielen Variationen durch und verdichte diese Variationen zu einem "großen Klagegesang". Dieses "schmale Buch", ist die Rezensentin überzeugt, habe eine so geradezu "biblische Wucht", dass es ein Bücherregal ganz allein ausfüllen könne.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2001
Die "eindringlich hämmernde Prosa" des 1934 geborenen litauischen Schriftstellers Icchokas Meras findet Rezensent Ulrich M. Schmid dem Gegenstand des Romans "auf unheimliche Weise" angemessen. In einer Reihung von Hauptsätzen erzähle Meras die Familiengeschichte des 16-jährigen Juden Isaak Lipman, der sich in einem Ghetto mit einem sadistischen Lagerkommandanten auf ein grausames Spiel einlassen muss: verliert er im Schach, rettet er sein Leben, opfert aber das der jüdischen Kinder. Gewinnt er, werden die Kinder vor der Deportation bewahrt, er aber wird erschossen, beschreibt der Rezensent über das diabolische Spiel. Zeitgleich erzähle der Autor die Geschichte der Familie des Protagonisten, die unaufhaltsam an "den grausamen Spielregeln der Naziherrschaft" zugrunde gehe. Hier zählt nicht die literarische Ästhetik, schreibt Schmid, sondern das "erbarmungslose Erzählen" über erschreckend auswegslose Situationen, in die die Nazis ihre Opfer millionenfach gebracht hatten.
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