Bukarest, Ende der achtziger Jahre. Der unbeschwerte Sommer, den die Familie am Schwarzen Meer verbracht hat, ist vorbei. Mit dem Herbst und der Rückkehr in die Großstadt ziehen auch die Sorgen des sozialistischen Alltags wieder ein. Die junge Erzählerin berichtet von der Welt der Erwachsenen, den feinen Rissen, die sie durchziehen, und der Frage, die über allem schwebt: Gehen oder bleiben? Sollen wir die Heimat verlassen und in eine Fremde reisen,
die ein freies und unbeschwertes Leben verspricht? Die Mutter droht am nahenden Exil zu zerbrechen, und keiner ahnt, warum. Allein das Mädchen, die eigene Tochter, sieht mehr, bemerkt die kurzen, aber ungehaltenen Berührungen
einerseits und warmen Blicke andererseits, es wird zum stillen Zeugen einer Liebschaft zwischen ihrer Mutter und einem anderen Mann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2018
Rezensent Helmut Böttiger ist offensichtlich fasziniert davon, wie Ilinca Florian ihre sechsjährige Protagonistin aus "Als wir das Lügen lernten" das Leben im sozialistischen Rumänien der letzten Regierungsmonate Ceaucescus' heraufbeschwören lässt. Das neugierige und aufgeweckte Mädchen beschreibt in den Kapiteln einzelne Szenen, die sich zwischen dem Sommerurlaub der Familie am Schwarzen Meer und ihrer Ausreise nach Deutschland im Winter abgespielt haben, informiert Böttiger. Sinneseindrücke, Alltägliches und Dinge, die dem Mädchen kurios erscheinen, verdichten sich nach dem Rezensenten zu einem Porträt dieser Zeit. Dieses Bild ist zwar für die Ich-Erzählerin selbst nicht zu überschauen, steht dem Leser dafür aber dank der "filmischen" Erzählweise umso deutlicher vor Augen, lobt Böttiger Florians Debüt.
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