Aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Pelzer. Die europäisch geprägten westlichen Mächte gehen seit jeher von der globalen Geltung ihrer Grundsätze aus. Sie betrachten es als ihr Recht, in anderen Regionen der Welt zu intervenieren und den dort lebenden Menschen ein Leben nach den Maßstäben der abendländischen Kultur zu vermitteln. War es seinerzeit Christianisierung, die dem europäischen Eifer als Deckmantel diente, ist es heute der Anspruch, Demokratie und Menschenrechte zu verbreiten. Ein heute ebenso fragwürdiges Unterfangen, findet Immanuel Wallerstein, da es letztlich immer nur darum gehe, schwachen Ländern einen fremden Willen aufzuzwingen. Einer global agierenden Politik, die hehre Überzeugungen benutzt, um handfeste wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, stellt er seine Vorstellung einer nur im weltweiten Zusammenwirken zu erreichenden friedlichen Entwicklung entgegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2007
Zu Einspruch, aber auch Zustimmung veranlasst sieht sich Rezensent H. D. Kittsteiner anlässlich der Kritik des Postimperialismus-Kritikers Immanuel Wallerstein am Westen. Drei Stufen dieser Legitimierung von Intervention in der Fremde macht der Autor aus: Christlichen Universalismus, "Orientalismus" und wissenschaftlichen Universalismus. Auf erster Stufe werden christliche Werte als universal gültig mit dem Argument verteidigt, dass dies zum Schutz gegenüber "heidnischen" Praktiken, wie beispielsweise dem Menschenopfer, nötig sei. An diesem Teil, in dem der Autor den Konflikt zwischen Universalismus und Kulturrelativismus verdeutlicht, hat der Rezensenten nichts auszusetzen. Als zweite Stufe steht der "Orientalismus", der asiatische Kulturen als das "Andere" konstruiert und ihnen eine Unfähigkeit zur Modernität unterstellt. Diesen Teil empfiehlt der Rezensent ganz besonders. Was genau der Begriff des "wissenschaftlichen Universalismus", der die dritte Stufe darstellt, außer der Bestimmung von "Orten der Wissensproduktion" noch beinhaltet, geht aus der Rezension nicht hervor. Diesen letzten Teil fand H.D. Kittsteiner weniger gut lesbar, außerdem vermisst er dort wichtige Aspekte, wie beispielsweise die Klimadebatte oder eine ausführliche Begründung der Forderung, die Intellektuellen sollten stärker Partei ergreifen statt wissenschaftlich-neutral zu bleiben.
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