Aus dem Englischen von Andrea Schmittmann. "UND WAS IST AMERIKA? Ist es ein Stück Land, das übersät ist von den achtlos dahingeworfenen Knochen derjenigen, die der Doktrin der territorialen Expansion im Wege standen, oder eine Verfassung? Ist es eine Ansammlung zusammengedrängter Menschen, die sich danach sehnen, wieder frei atmen zu können, oder bloß ein paar Grenzen auf einer Karte? Dies sind keine rhetorischen Fragen. Um die Geschichte der Schwarzen in diesem Land zu verstehen, müssen wir uns erst darauf einigen, wie wir 'dieses Land' definieren. Denn wenn das, was wir als 'Schwarze Geschichte' bezeichnen, jenes Puzzle umfasst, das heute als 'die Vereinigten Staaten von Amerika' bekannt ist, kamen die rund zwanzig versklavten Afrikaner, die im Jahr 1619 in Virginia landeten, mehr als ein Jahrhundert zu spät zur Party."
Wer Geschichte neu schreiben will, der muss vielleicht nicht nur Inhalte überdenken, sondern auch eine ganz eigene Darstellungsweise finden, überlegt Rezensent Martin Tschechne. Und das versucht Michael Harriot hier in seiner "Wahren Geschichte der USA" immerhin, findet er. Von Beginn an verblüfft den Kritiker der Ton des Buches, denn Harriot geizt nicht an Spott und Ironie, wenn er die amerikanische Geschichte aus schwarzer Perspektive erzählt. Doch auch inhaltlich findet er überraschende Perspektiven, betont beispielsweise, so der Kritiker, die "Tölpelhaftigkeit" der europäischen Königshäuser, die glaubten, die ganze Welt unter sich aufteilen zu können oder den Mut afroamerikanischer Frauen, die sich im Alabama der Fünfziger Jahre nicht von ihren Sitzplätzen im Bus vertreiben ließen. Manchmal ist das dem Kritiker ein bisschen zu viel, der auch den Humor Harriots nicht ganz so lustig findet, aber: Vielleicht lassen sich die unglaublichen Grausamkeiten, die schwarze Menschen in den USA im Laufe der Jahrhunderte erleiden musste, auch gar nicht anders aushalten, überlegt er. Trotz ein paar Einschränkungen, lohnt ein Blick ins Buch auf jeden Fall, versichert Tschechne abschließend.
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