Algerien war Frankreichs wichtigste Kolonie, galt lange sogar als integraler Bestandteil der Nation. Formen symbolischer Politik spielten dabei eine zentrale Rolle. Denkmäler, Zeremonien, Orts- und Straßennamen überzogen das Land. Sie schufen einen öffentlichen Raum, den auch die Kolonisierten selbst nutzten, um die politischen und sozialen Strukturen der Kolonie neu zu verhandeln oder gar auszuhebeln. Auf der Basis von umfangreichem und gänzlich neuem Material aus algerischen und französischen Archiven erkundet Jan C. Jansen diese weite Erinnerungslandschaft vom Beginn der französischen Kolonisierung bis zum Vorabend des Unabhängigkeitskrieges. Am Schnittpunkt von lokaler und globaler Geschichte, der Analyse von Kulturtransfers und kollektiver Erinnerung, von Herrschaft und Widerstand in Imperien entwirft er ein dynamisches Bild der Kolonialgesellschaft, das sich jenseits einseitiger Lesarten verortet. Zugleich leistet er eine Einführung in die französisch-algerische Konfliktgeschichte, deren Auswirkungen bis heute reichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2014
Was der Konstanzer Historiker Jan. C. Jansen in seiner Studie zur symbolischen Erinnerungslandschaft im kolonialen Algerien schreibt, passt für Andreas Eckert einerseits zum Trend in der Geschichtswissenschaft, von kollektiver Erinnerungskultur zu sprechen, andererseits findet der Rezensent, dass der Autor diesen Trend mit der Eröffnung einer kolonialen Dimension noch transzendiert. Für Eckert eine großartige Sache, weil der Autor, ohne dabei verharmlosend zu sein, zeigen kann, dass die Welt des Kolonialismus keine rein dualistische war und Kolonisierte mit den Einmischungen der Eindringlinge durchaus umzugehen wussten.
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