Aus dem Englischen von Frieda Ellmann. "Ich war drei oder vielleicht vier Jahre alt, als mir aufging, dass ich in den falschen Körper geboren worden war und in Wirklichkeit eigentlich ein Mädchen sein sollte. Ich erinnere mich an diesen Augenblick genau, es ist meine früheste Erinnerung." Als James Morris geboren, zeichnete er sich im britischen Militär aus, wurde ein erfolgreicher und mutiger Reporter, erklomm Berge und durchquerte Wüsten. Er war glücklich verheiratet, hatte vier Kinder und war allem Anschein nach das, was man als einen männlichen Mann bezeichnet. Bis er sich zu einer Geschlechtsumwandlung entschloss. In "Rätsel" erzählt Jan Morris offen darüber. Es ist einer der frühesten und schonungslosesten Berichte.
Rezensent Stefan Hochgesand gibt zu bedenken, dass Jan Morris' Memoir nicht als queeres Manifest taugt, schon da es ein Zeitdokument der 70er ist, nicht von heute. Aber auch ohne Theorie findet Hochgesand das Buch lesenswert, weil es meistenteils berührt, wie er uns wissen lässt. Vom Leben als trans Frau schreibt Morris laut Rezensent in lebendiger Sprache, komisch, eindringlich und erfrischend, als wär's die Vorlage für "Transparent", meint Hochgesand.
Eigentlich ist die Geschichte einer Geschlechtsumwandlung heute per se nichts Besonderes mehr, weiß Rezensentin Gisela Trahms. Dass sie die autobiografische Erzählung, die Jan Morris erstmals 1975 veröffentlichte, dennoch wärmstens empfiehlt, liegt daran, dass die Autorin über ihre ganze Geschichte hinweg einen unumstößlich positiven Ton beibehält - eine willkommene Abwechslung "in unserem Jahrhundert des Zeterns", findet Trahms.
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