Aus dem Amerikanischen von Judith Elze und Anne Emmert. Die Nachricht trifft Susan Faludi völlig unvorbereitet. Ihr Vater hat eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Sie hatten kaum noch Kontakt miteinander und er lebte wieder in seinem Heimatland Ungarn. Welche Verbindung gibt es zwischen diesem neuen Elternteil, der sich nun "vollständig als Frau" identifiziert, und dem wortkargen, explosiven und teilweise gewalttätigen Vater ihrer Kindheit?Faludi sucht die Lösung dieses Rätsels in den Nischen ihrer Vorort-Kindheit und in den vielen Verkörperungen ihres Vaters: Jude im Budapest des Zweiten Weltkriegs, Abenteurer im Amazonasgebiet, all-American Dad und heute eine Frau, die ihr Judentum wiederentdeckt hat. Und so nähert sich die Tochter in 'Die Perlenohrringe meines Vaters' diesem Meister der Masken. Faludis Versuch, Metamorphose ihres Vaters zu verstehen, lässt sie Grenzen überwinden - historische, politische, religiöse, sexuelle -, um sie schließlich zu der Frage unserer Zeit zu bringen: Ist Identität etwas, das wir wählen, oder ist Identität etwas, dem wir nicht entkommen können?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.10.2018
Natürlich verehrt Marie Schmidt die große feministische Autorin Susan Faludi, die schon 1991 mit ihrem Buch "Backlash" gegen das Märchen anschrieb, die Emanzipation habe die Frauen selbstbestimmt, aber unglücklich gemacht. Bei einem Treffen mit der Autorin geht die Kritikerin denn auch meist d'accord mit ihrem großen Vorbild. Aber dennoch wirft das neue Buch der Autorin Schmidt einfach um: Faludi erzählt darin die Geschichte ihres Vaters, den sie nur als aggressiven Macho kannte und der sich 25 Jahren nach der Scheidung von der Mutter in eine Frau hat umwandeln lassen. Aber nicht nur das: Er lebt jetzt wieder in Ungarn, wo er als jüdisches Kind den Holocaust überlebte. Er ist jetzt ganz die feminine Dame, die starke Männer bewundert und die stolze Geschichte des Landes: Stefánie wählt Fidesz und leugnet jede antisemitische Tendenz im tollen Ungarn des Viktor Orbán. Wie Faludi diese komplexe Lebensgeschichte ihres Vaters durchdringt, findet die Kritikerin einfach nur bewunderungswürdig. Nie ziehe Faludi einfache Schlüsse, nie werde etwas pathologisiert. Dagegen lehre Faludi, den "gefährlich schwärenden" Begriff der Identität mit Vorsicht zu genießen, der nicht nur ein Gemeinplatz sei, sondern oft auch "Ersatz für Selbstreflexion".
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