Jan N. Lorenzen

Erich Honecker

Eine Biografie
Cover: Erich Honecker
Rowohlt Verlag, Reinbek 2001
ISBN 9783499611810
Taschenbuch, 239 Seiten, 8,90 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2001

Zwei neue Bücher zu Honecker, von denen sich das eine für eine richtige Biografie hält, stellt Peter Jochen Winters vor. Dasjenige, das sich auf die Jahre nach 1989 beschränkt, gefällt ihm besser, aber beide sind nicht das, worauf man gewartet hat: eine umfassende, verlässliche, gut recherchierte Biografie.
1) Jan N. Lorenzen "Erich Honecker"
Es ist nicht so, lässt sich die Ansicht die Rezensenten resümieren, dass Lorenzen unsolide gearbeitet hat, jedoch hat er kaum eigene Recherchen betrieben oder Zeitzeugen befragt. Das Buch ist so mehr eine Kompilation, oder, mit Winters' Worten: "eine nicht ungeschickte Zusammenstellung" aus vorliegenden Quellen, mit denen der Autor noch dazu recht selektiv umgegangen ist. Auf die Auswertung von Archivmaterial hat Lorenzen, wie Winters bedauert, gleich ganz verzichtet, "profitiert" stattdessen "von den Früchten der Arbeit anderer". Insgesamt fällt das Urteil daher negativ aus: das Buch bleibt nach Ansicht des Rezensenten "an der Oberfläche".
2) Thomas Kunze "Staatschef a.D."
Thomas Kunze hat, ganz im Unterschied zu Lorenzen, "mit Zeitzeugen ausführlich gesprochen", das gefällt dem Rezensenten schon viel besser. Geschildert werden die Jahre von 1989 bis zum Tod Honeckers 1994 in Chile und man erfährt, so Winters, Dinge, die man noch nicht wusste. Etwa, dass Honecker seit 1990 finanzielle Zuwendungen vom alten Bundesgenossen Arafat erhalten hat. Wie allen anderen freilich hat sich auch dem Biografen Kunze die wohl wichtigste Zeitzeugin "verweigert": Margot Honecker. Viel, räumt Winters sogleich ein, ist von ihr wohl nicht zu erwarten, insbesondere keine "objektiven Schilderungen oder gar Wertungen". Unter diesen Umständen ist, stellt der Rezensent fest, Kunze "gelungen", was er erreichen wollte: eine Darstellung, die ein "Beitrag" zu einer als Ganzer noch nicht vorhandenen Honecker-Biografie ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2001

Ralf Husemann vergleicht zwei Honecker-Biografien, die er beide "durchaus kurzweilig" findet:
1) Thomas Kunze: "Staatschef a.D. Die letzten Jahre des Erich Honecker"
Der ostdeutsche Historiker Thomas Kunze, Verfasser einer Ceausescu-Biografie, habe ein "spannendes Geschichtsbuch" von großem "Detailreichtum" geschrieben. Sehr eindringlich beschreibe der Autor den Sturz Honeckers. Die Ähnlichkeit mit dem Sturz Ulbrichts, an dem Honecker maßgeblich beteiligt gewesen sei, wirke dabei wie eine "Ironie des Schicksals." Zum bundesdeutschen Rechtsstaat scheint Kunze in Husemanns Augen allerdings ein "gebrochenes Verhältnis" zu haben: So bezeichne er die Gerichtsverfahren gegen Honecker (und andere) als "Juristenpossen" und "Spektakel", als habe er noch nie etwas "von der Debatte über die deutschen Kriegsverbrecher gehört".
2) Jan N. Lorenzen: "Erich Honecker. Eine Biografie"
Im Gegensatz zu Kunze schildere der westdeutsche Journalist und Wahl-Leipziger Jan L. Lorenzen in seiner "nüchtern erzählten" und "knappen, aber lesenswerten" Biografie auch die frühen Honecker-Jahre. Die Abriegelung Westberlins und die Vorbereitung zum Mauerbau sei nach Lorenzens wertungsfreier Beurteilung "in organisatorischer Hinsicht eine Meisterleistung" gewesen. Eine Kompilation der bekannten Honecker-Literatur und 33 Interviews mit Weggefährten und Widersachern rundeten das widersprüchliche Bild über Erich Honecker ab.

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