1933 wurden im nationalsozialistischen Deutschland in konzertierten Aktionen hunderttausende Bücher missliebiger Autor:innen öffentlich verbrannt. Diese Bücherverbrennungen waren mehr als nur eine kulturpolitische Säuberungsaktion, sie waren zentraler Bestandteil im komplexen Gefüge des nationalsozialistischen Machtdurchsetzungsprozesses. Sie in ihrer Gesamtheit zu betrachten, hat sich das Projekt Verbrannte Orte zum Ziel gesetzt und mittlerweile über 160 Bücherverbrennungen dokumentiert: als Fotografien jener Orte, wie sie heute aussehen. Sie zeigen unspektakuläre Plätze der Alltäglichkeit, nur an wenigen weisen Erinnerungszeichen auf das Geschehene hin. Wie aber betrachten wir diese Orte, wenn wir wissen, was dort passiert ist? Eine Auswahl der Fotografien steht im Mittelpunkt des Buches. Ergänzt werden diese durch Texte, welche die Hintergründe der Bücherverbrennungen beleuchten. Einige Biografien betroffener Autor:innen werden vorgestellt und durch einen detaillierten Blick auf das Thema Exil begleitet. Außerdem wird erörtert, was die Bücherverbrennungen von 1933 mit Demokratie und Meinungsfreiheit von heute zu tun haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.06.2023
Einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur stellt der Band des Fotografen Jan Schenck für Rezensent Robert Probst dar. Sechzig großformatige Fotos zeigen, wie Orte, an denen im Jahr 1933 Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten stattfanden, heute aussehen. Zu sehen sind etwa Sportanlagen und Wohnhäuser, an das Geschehene erinnert meistens nichts, stellt der Kritiker bedauernd fest. Ergänzt werden die Fotos durch ein Vorwort des Historikers Werner Treß und von Kurzbiografien der Autoren und Autorinnen, deren Werke verboten und verbrannt wurden. Abschließend weist Probst darauf hin, dass die Bilderserie auch online zu finden ist.
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