Herausgegeben von Irene Heidelberger-Leonard. "Hätte man den 23-jährigen Hans Mayer, und erst recht den 65-jährigen Jean Amery nach seiner Berufung gefragt, er hätte geantwortet: Ein deutscher Dichter." So beginnt das Nachwort der Herausgeberin zu diesem Band, der den literarischen Autor Jean Amery vorstellt. In dem Romanfragment "Die Schiffbrüchigen", das Amery mit 23 Jahren schrieb, erlebt der Protagonist Eugen Althager, der dem österreichischen proletarisierten Kleinbürgertum entstammt, den Zusammenbruch der Ersten Republik als Untergang seiner bisherigen Welt. Er versucht, sich - auch durch private Untergänge hindurch - in eine Art 'heroischen Nihilismus' zu retten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2007
Für den Rezensenten Jürg Altwegg hat die Literaturkritik einiges gut zu machen an Jean Amery, genauer gesagt an dem Schriftsteller Amery. Denn diese beiden Erzählungen zeigen ihm, dass Amery weit mehr war als das "intellektuelle Gewissen" oder ein Modedenker. Nein, weiß Altwegg nun, Amery war ein großer Erzähler, nur hat dies niemand bei der Veröffentlichung von "Lefeu" recht begriffen, zu quer stand Amery zum damaligen Zeitgeist. Und dass es sich bei seinem erst kürzlich herausgegebenen Erstlingswerk "Die Schiffbrüchigen" um große Kunst handelt, wurde sowieso schon festgestellt. Was kann Altwegg da noch sagen, außer die Herausgeberin für ihre "brillanten Überlegungen" zu feiern und ihr zu danken, dass sie der deutschen Literatur einen großen Autor geschenkt hat.
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