Jean-Philipp Baeck (Hg.), Andreas Speit (Hg.)

Rechte Egoshooter

Von der virtuellen Hetze zum Livestream-Attentat
Cover: Rechte Egoshooter
Ch. Links Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783962890766
Kartoniert, 208 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Weltweit gibt es rechtsterroristische Attentate eines neuen Typs. In Halle (Saale) verhinderte nur eine verschlossene Holztür der Synagoge ein größeres Massaker. Am 9. Oktober 2019 wollte dort ein Rechtsextremist die versammelten Juden hinrichten. Mit selbstgebauten Waffen schoss er auf die Tür und warf eigens hergestellte Sprengsätze. Online konnten Gleichgesinnte zusehen, wie er zwei Menschen ermordete: Seine Tat verbreitete er per Videokamera auf einem Portal für Computerspiel-Videos. Er ahmte damit andere "Egoshooter" nach - wie einen Rechtsextremisten, der in Neuseeland wenige Monate zuvor die Tötung von 51 Menschen live im Internet übertragen hatte. Was treibt Menschen vom Bildschirm zur realen Gewalt auf der Straße?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.04.2020

77 Menschen starben bei dem rechtsextremen Attentat in Oslo, in Christchurch fünfzig, in Halle und Hanau auch noch einmal zwölf. Aber warum mussten sie sterben? Der Sammelband "Rechte Egoshooter" macht dafür Computerspiele verantwortlich, in denen die Spieler aus der Ich-Perspektive ihre Beute - meist Menschen - aufspüren, abknallen und dafür Bonuspunkte kassieren, sogenannte Egoschooter-Spiele, informiert uns Rezensent Ludger Heid. Die Täter sind zumeist in der rechtsextremen Szene verankert, antisemitisch und rassistisch, erfahren wir weiter. Vor allem aber sind sie alle Männer. Ihr Hass kann die Rechten jedoch mit "Islamisten, linken Aktivisten, gebildeten Bürgern aus der Mitte" vereinigen, lernt Heid, sofern sie autoritätsgläubig genug sind. Heid scheint die Analysen in dem Band befriedigend zu finden, beschränkt sich jedoch auf ein wohlwollendes Referieren des Inhalts.

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