Semiya Simsek

Schmerzliche Heimat

Deutschland und der Mord an meinem Vater
Cover: Schmerzliche Heimat
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783871344800
Gebunden, 272 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Mit Peter Schwarz. Zweimal brach für Semiya Simsek eine Welt zusammen: das erste Mal am 9. September 2000, als ihr Vater Enver Simsek erschossen wurde. Da war sie vierzehn Jahre alt. Und dann, als nach über elf Jahren die Hintergründe der Tat ans Licht kamen: Es war der erste von zehn Morden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Nun berichtet Semiya Simsek, wie das Verbrechen ihr Leben und ihr Vertrauen in Deutschland erschütterte - das Leben einer türkischen Einwandererfamilie, für die dieses Land längst Heimat war. Hier erzählt sie ihre bewegende Geschichte: die einer jungen Deutschen und ihrer Familie, deren Leben durch einen Terrorakt zerstört, durch Vorurteile weiter zerrüttet wurde und die dennoch stark blieb. Und sie schildert die Hintergründe des Verbrechens, der Ermittlungspannen und -irrwege.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2013

Besonders beeindruckt hat Harald Bergsdorf an diesem Buch der Tochter des ersten Mordopfers des NSU die Differenziertheit. Zwischen Anklage (wegen falscher Verdächtigungen) und Verständnis für die Ermittler bewegt sich die Autorin bei der Dokumentation der Ereignisse nach dem 9. September 2000, erklärt der Rezensent, der das Buch von Semiya Simsek als bedeutendes Gegengewicht zu den meist täterzentrierten Berichten in der Presse sieht. Dass die Autorin die Lebensgeschichte ihrer Familie und ihres Vaters als Einwanderer in Deutschland so liebevoll zeichnet und ihr trotz allem ein versöhnliches Buch gelingt, bewegt den Rezensenten sichtlich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.04.2013

Für Rezensentin Fatma Aydemir ist die nun unter dem Titel "Schmerzliche Heimat" erschienene Autobiografie, die Semiya Simsek, Tochter des NSU-Mordopfers Enver Simsek, gemeinsam mit dem Journalisten Peter Schwarz geschrieben hat, fraglos ein "zeitgeschichtliches Dokument". Bewegt liest die Kritikerin die Aufzeichnungen, in denen Semiya Simsek das Schicksal ihrer Familie dokumentiert: Die elf Jahre der quälenden Ungewissheit, die Anschuldigungen gegen Envers Witwe Adile, die daraufhin schwere Depressionen erlitt und schließlich der Einblick in die Ermittlungsakten, der laut Aydemir offenlegt, mit welch "redundantem Exotismus" die migrantischen Opfer behandelt wurden, machen dieses Buch zu einer erschütternden Klageschrift gegen Staat und Polizei, berichtet die Rezensentin. Zugleich erfährt die Kritikerin hier viel über den deutschtürkischen Familienalltag und die glückliche Kindheit der Autorin in der hessischen Provinz.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2013

Mariam Lau lässt keinen Zweifel daran, dass sie die Wut, Trauer und Empörung teilt, die Semiya Simsek in "Schmerzliche Heimat" ausdrückt, ihrem Buch über den Mord an ihrem Vater Enver, dem ersten Opfer der rechten Terrorrgruppe NSU. Höchste Anerkennung verdiene die Lebensleistung dieses Mannes, der sich aus der türkischen Provinz zu einem deutschen Unternehmer hochgearbeitet und dabei alles riskiert habe, findet die Rezensentin mit einem Seitenhieb auf Thilo Sarrazin, der die Verdienste solcher Biografien verkenne. Höchste Anerkennung auch für dieses Buch über die "Höllentour der Familie Simsek", die mit dem Mord beginnt und sich in dem jahrzehntelangen Generalverdacht der ermittelnden Behörden fortsetzt.

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