Am 17. Dezember 2010 beschlagnahmt die Polizei in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid den Obst- und Gemüsekarren eines jungen Straßenverkäufers - das Einzige, das er besaß, um seine Mutter und seine sechs Geschwister zu ernähren. In einer letzte Geste des Protests gegen jahrelange Schikanen und Demütigungen zündet sich Mohamed Bouazizi selbst an. Seine Tat löst Unruhen aus, die bald auf ganz Tunesien übergreifen. Ein despotisches Regime, das als unverwundbar galt, wird innerhalb von drei Wochen hinweggefegt. Es ist der Beginn des Arabischen Frühlings, der bis heute andauernd und eine ganze Region erschüttert. Jean-Pierre Filiu und Cyrille Pomès schildern diese Ereignisse aus allernächster Nähe und stellen dabei jene in den Mittelpunkt, die dieser Welle des Protests ein Gesicht gaben: mutige Frauen und Männer, die ihr Engagement nicht selten mit dem Leben bezahlt haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.04.2014
Jean-Pierre Filius und Cyrille Pomes' Comic "Der arabische Frühling" hat hauptsächlich einen dokumentarischen Anspruch, weiß Christoph Haas, ganz kalt lassen ihn die Geschichten trotzdem nicht. In sechzehn Kapiteln arbeitet sich der Comic durch diverse Schlüsselszenen der Revolution, berücksichtigt dabei aber nicht nur jene Schauplätze und Figuren, die es damals in die westeuropäischen Medien geschafft haben, erklärt der Rezensent, die Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi findet sich deshalb genauso wieder wie die Schauspielerin Fadwa Suleiman, Ägypten ebenso wie der Jemen. Diese Geschichten erinnern Haas daran, dass es den "Menschen in der Revolte" immer noch gibt - auch wenn keiner mehr Camus liest.
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