Aus dem Französischen von Hainer Kober. Seit vielen Jahren setzt sich Jean Ziegler im Auftrag der Vereinten Nationen für die Menschen ein, die Frantz Fanon die Verdammten der Erde genannt hat. Zunächst als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, dann als Vize-Präsident des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats kämpft er gegen Hunger und Unterernährung, für Menschenrechte, für Frieden.
Von diesen Kämpfen, seinen Erfolgen - aber auch den Niederlagen - berichtet Ziegler aus unmittelbarer Erfahrung, beleuchtet die imperialen Machenschaften hinter den demokratischen Kulissen, analysiert die Strategien der Beutejäger des globalisierten Finanzkapitals. In Sieg und Niederlage fragt sich der unversöhnliche Zeitzeuge angesichts der mörderischen Spiele der Mächtigen dieser Welt: Was können wir tun, damit die von Roosevelt und Churchill inspirierte Vision einer Weltorganisation politische Praxis wird und die Vereinten Nationen instand gesetzt werden, den Frieden, die Menschenrechte und den Völkern der Welt ein Existenzminimum zu sichern?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2017
Andreas Wang fühlt sich nur gelinde aufgeschreckt von Jean Zieglers Erinnerungsbuch. Auch wenn Ziegler ganz und gar nicht politisch korrekt verfährt, indem er reflexiv, anekdotisch, mal apologetisch, mal sentimental eigene Grabenkämpfe als UN-Sonderberichterstatter rekapituliert, wenn er als Insider Grundübel der Institution UN benennt, gegen imperialistisches Blutgeld wettert, den alten Kissinger disst oder Genozide erklärt, so richtig begeistert scheint Wang nicht zu sein. Denn: Neue Fakten kann ihm der Autor trotz allem nicht liefern. Eher so ein Ziegler-Gedächtnisbuch, meint Wang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2017
Rezensent Jürg Altwegg rekapituliert kommentarlos mit Jean Ziegler dessen folgenreiche Einlassungen zur Weltkriegsvergangenheit der Schweiz. 20 Jahre später erscheinen Altwegg die "Gespenster der Vergangenheitsbewältigung" überraschend lebendig. Zieglers Lebensbilanz, laut Altwegg u.a. mit Zieglers Bericht über den Hunger in den von Israel besetzten Gebieten und dessen Folgen beschäftigt, kreist immer wieder um den Vorwurf des Antisemismus, der beim Autor eine "tiefe Kränkung" hinterlassen habe. Zieglers moralische Rehabilitierung mit Ellie Wiesel als Kronzeuge nimmt im Buch entsprechend Raum ein, erläutert der Rezensent, der sich in seiner Kritik auf die reine Nacherzählung beschränkt.
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