Die Globalisierung hat eine neue Dimension erreicht. Völker und Staaten sind in einer gegenseitigen Abhängigkeit miteinander verbunden, wie es sie noch nie gab. Doch das neue Weltsystem ist bedrohlich instabil: Die Finanzmärkte stehen vor dem Kollaps und bedrohen die Weltwirtschaft mit einer globalen Krise. Der wachsende Energiebedarf provoziert Konflikte um den Zugang zu Öl- und Gasreserven. Der Klimawandel bedroht Millionen mit Hunger, Naturkatastrophen und Vertreibung. Weil die Regierungen bei der Regulierung der globalisierten Ökonomie versagt haben, ist zugleich ein unberechenbarer politischer Brandherd entstanden: Die Menschheit teilt sich zusehends in wenige Gewinner und viele Verlierer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.08.2008
Der hier rezensierende SPD-Politiker Michael Müller hat Harald Schumanns und Christiane Grefes Buch "Der globale Countdown", das an Schumanns Bestseller "Die Globalisierungsfalle" von 1996 anknüpft, recht positiv aufgenommen. Er bescheinigt den Autoren, die Gefahren der Globalisierung mit einer Fülle von Fakten zu beschreiben, von der Schuldenkrise und der Polarisierung der Gesellschaften über den Klimawandel bis zu den Gefahren globaler Ressourcenkriege und Formen neuer Gewalt. Interessant scheinen Müller die Parallelen, die die Autoren zur Situation vor hundert Jahren bisweilen ziehen. Deutlich wird für ihn zudem die Ambivalenz der globalen Moderne. Die Autoren führten schließlich zahlreiche Wege vor Augen, wie eine soziale und ökologische Weltordnung gelingen kann. Allerdings vermisst Müller hier ein wenig eine "programmatische Leitidee", die den Umbau bündle und erfolgreich mache.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2008
Aufrüttellungsbücher wie dieses betrachtet Wilfried von Bredow mit Skepsis. Einerseits sieht er eine Grundregel für solche Bücher von den beiden Autoren Christiane Grefe und Harald Schumann beherzigt, denen die Balance zwischen Pessimismus und Relativierung gelingt, was den Leser zwar emotional fordert, wie es beim Rezensenten heißt, aber auch bei der Stange hält. Andererseits bleibt für Bredow das Problem, dass die Probe aufs Exempel bei den angesprochenen Problemen (Wirtschaftsglobalisierung, Klimawandel etc.) und den präsentierten Lösungsvorschlägen sich erst Jahre später zeigt. Die eigentliche Schwierigkeit des Buches liegt für Bredow allerdings gar nicht im sachlichen Teil. Den hält er für anschaulich und aufklärend. Die rot-grüne Tendenz der Bewältigungsvorschläge dagegen ist ihm unangenehm aufgestoßen. Ökotopia ist nah, meint der Rezensent und vermisst ein differenziertes Bild, das auch über "Nebenfolgen" von scheinbaren Ideallösungen aufklärt.
Ein "aufrüttelndes Werk" erblickt Rezensent Felix Lee in Harald Schumanns und Christiane Grefes Buch über die Lage der Welt. Ebenso eindringlich wie überzeugend führen die Autoren für ihn vor Augen, wie die Globalisierung die Mehrheit der Menschen zu Verlierern gemacht hat. Das Buch zeichne sich durch Aktualität, Faktenreichtum, umfangreiche Recherchen und eingehende Analysen aus. Dabei behandelten die Autoren Themen wie die Entfesselung der Finanzwirtschaft, das Versäumnis demokratischer Kontrolle des Wirtschaftsgeschehens, die zunehmende soziale Spaltung, Massenarmut und den Klimawandel. Deutlich wird für Lee auch, dass die Suche nach einem Sündenbock in nationalstaatlichen Kategorien heute nicht mehr funktioniert. Besonders hebt er hervor, dass Schumann und Grefe auch sehr bedenkenswerte Vorschläge machen, wie eine "bessere" Welt aussehen könnte.
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