Jens Hacke

Existenzkrise der Demokratie

Zur politischen Theorie des Liberalismus in der Zwischenkriegszeit

Klappentext

In der Zeit zwischen den Weltkriegen geriet die Demokratie in die Krise. Kommunismus und Faschismus boten Modelle einer alternativen Moderne. Anders als der Niedergang des politischen Liberalismus vermuten lässt, gehören die damaligen intellektuellen Debatten über die Grundlagen der Demokratie zum essentiellen Bestand der politischen Theorie. Jens Hackes ideengeschichtliche Studie führt vor Augen, wie seit den 1920er Jahren Ideen entwickelt wurden, die die Welt nach 1945 prägen sollten und im Lichte gegenwärtiger Krisenphänomene neue Aktualität beanspruchen: die Totalitarismustheorie, das Konzept der wehrhaften Demokratie und die Vorstellung von einem gezähmten Kapitalismus.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2018

Rezensent Thomas Speckmann mag kaum glauben, dass Jens Hackes Buch von der Zwischenkriegszeit handelt, derart gegenwärtig erscheinen ihm Hackes Ausführungen über die Krise der Demokratie zwischen den Weltkriegen. Für Speckmann ruft der Autor mit seiner "ideengeschichtlichen Studie" die Totalitarismustheorie und das Konzept der wehrhaften Demokratie in Erinnerung. Wenn Hacke davor warnt, die Weimarer Debatte zu historisieren und sich auf die liberale Demokratie zu verlassen, möchte Speckmann ihm beipflichten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.08.2018

Jan-Werner Müller, Politologe und Autor eines viel beachteten Bandes über den Rechtspopulismus, bespricht diese Studie und ist im ersten Überschwang positiv, und in der zweiten Reflexion kritischer. Er freut sich, dass Jens Hacke ziemlich unbekannte Vordenker des Liberalismus aus der Weimarer Zeit exhumiert, Moritz Julius Bonn sei sein wichtigster Gewährsmann, aber auch Wilhelm Röpke und Karl Löwenstein spielen eine Rolle. Eine "Ehrenrettung", so Müller, der selbst nicht ganz so überzeugt von deren theoretischen Leistungen scheint. Ihr Liberalismus ist ihm zu "situativ", nicht genug in Begriffen fundiert. Ein "Common sense" nütze in Zeiten, in denen sich Gesellschaften davon entfernten, aber nur wenig: "Um diese neuartigen Situationen zu erklären, braucht's wohl gerade Theorie", meint der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.07.2018

Dirk Lüddecke hält Jens Hackes Buch für klug und lesenswert, weil es nicht nur die politische Ideengeschichte der liberalen Demokratie in den Blick nimmt, sondern naturgemäß auch die antidemokratische Bedrohung der Gegenwart. Die vier Themenfelder des aus einer Habilschrift hervorgegangenen Bandes ergeben für Lüddecke eine exzellente Zusammenschau des politischen Denkens der Weimarer Republik, das die liberale Demokratie zu verteidigen angetreten war. Für Lüddecke eine Ergänzung von Kurt Sontheimers Arbeit. Dass der Autor auch die liberale Selbstkritik verhandelt, gefällt dem Rezensenten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2018

Rezensent Florian Meinel hat Jens Hackes Studie zum Liberalismus in den Zwischenkriegsjahren mit Gewinn gelesen. Schon dass der Politikwissenschaftler ein fast vergessenes Kapitel der politischen Ideengeschichte Deutschlands beleuchtet, rechnet ihm der Kritiker hoch an. Vor allem aber lobt er, wie anschaulich ihm Hacke den Mangel an liberaler Evidenz darlegt, denn auf das Kaiserreich folgt gleich eine das Bürgertum verschreckende "Massendemokratie". Dass die liberalen Theoretiker der Weimarer Republik - Max Weber, Hugo Preuß, Ernst Toreltsch - aus einer Position der Schwäche heraus ihre scharfsinnigen Analysen verfassten, macht Hacke dem Rezensenten klar, auch dass ihre Konzepte der wehrhaften Demokratie und der liberalen Demokratie die Nachkriegszeit prägte. Mit Interesse liest Meinel zudem Hackes Exkurse zu weniger bekannten, aber originellen Denkern wie Karl Loewenstein oder Moritz Julius Bonn. Die Vorgeschichte des deutschen Liberalismus kommt dem Kritiker indes ein klein wenig zu kurz.
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