Oft wird er bewundert, der Deutsche, geliebt aber wird er nie. Es geht ihm wie dem einsamen Streber auf dem Schulhof, man traut ihm gute Noten, aber auch allerlei Finsteres zu - was er dann leider auch zuverlässig liefert. Doch gibt es "den Deutschen" überhaupt, und warum gilt er in anderen Nationen noch immer als faustischer Mensch, unverbesserlicher Romantiker oder humorloser Grobian, wenn nicht gar ewiger Nazi? Der Deutsche fürchtet sich vor Deutschen und vor allem davor, im Ausland als Deutscher erkannt zu werden. Meist aber entlarvt er sich schon durch die unvorteilhafte Brille, die er trägt. Warum kleidet er sich so schlecht, ist erotisch unbegabt und spielt sich zugleich als Lehrmeister auf? Wie lebt er unter seinesgleichen, die sich dem Ideal der Gleichheit verschrieben haben und Unterschiede mit Argwohn betrachten? Aus der Art zu schlagen, ist unzulässig. Zu dieser Art aber gehören seit jeher auch Selbstkritik und Selbsthass. Recht bedacht, sind diese vielleicht sogar seine besten Eigentümlichkeiten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.11.2020
Rezensentin Sieglinde Geisel vermutet mangelnde Chuzpe bei Jens Jessen. Dass der Autor nicht das Buch vorlegt, das er hätte schreiben wollen, sondern nur einen "verschwurbelten" Essay zwischen Empörung und erhobenenem Zeigenfinger, findet sie lahm. Als wäre der Text noch älter als sein Autor, altväterlich, mit den üblichen Klischees über "die Deutschen" (Mangel an Eleganz, Ironie, Erotik) befasst. Langweilig, findet Geisel. Ebenso wie Jessens Schuldzuweisung an die Linken und die Intellektuellen. Oder soll das die schmerzlich vermisste Ironie sein? Was der Autor eigentlich mit dem Text will, Geisel weiß es nicht.
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