Joachim Scholtyseck

Die Außenpolitik der DDR

Cover: Die Außenpolitik der DDR
Oldenbourg Verlag, München 2003
ISBN 9783486557480
Broschiert, 176 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Die Außenpolitik der DDR ist bis heute weitgehend eine "terra incognita". Joachim Scholtyseck betritt mit seinem Lehrbuch also Neuland: Er führt systematisch in die Außenpolitik des "zweiten deutschen Staates" ein und diskutiert außerdem die Interpretationen und Kontroversen der Forschung. In einer einzigartigen politischen Konstruktion musste die DDR einerseits Außenpolitik auch als Deutschlandpolitik betreiben. Andererseits blieb sie bis zu ihrem Untergang ein von der UdSSR abhängiges Gebilde. Wie alle Akteure war die DDR in die Bedingungen der internationalen Politik in den Zeiten des Kalten Krieges, der Detente und schließlich des "Zweiten Kalten Krieges" eingebettet. Ihre Außenbeziehungen stellten zudem einen Sonderfall dar, weil eine Außenpolitik unter marxistischen Vorzeichen einen radikalen Bruch mit bisherigen Traditionen der deutschen Geschichte bedeutete.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2004

Joachim Scholtysecks "Außenpolitik der DDR", Band 69 der von Lothar Gall herausgegebenen "Enzyklopädie deutscher Geschichte", leistet, so Karl Wilhelm Fricke, insofern einen wertvollen Beitrag, "als bis heute eine den Zeitraum bis 1990 umfassende Geschichte der DDR-Außenpolitik nicht existiert". Scholtysecks Arbeit zeichne überdies "wissenschaftliche Gediegenheit" aus. Strittig sei allenfalls des Autors These, wonach man "die DDR auch nach dem Fall der Mauer noch wie 1953 mit militärischen Mitteln" hätte erhalten können. Eingeteilt in sieben Entwicklungsphasen, reicht die Studie in die Nachkriegszeit zurück. Nach "Gründungseuphorie, Stalin-Note und der Nachfolge Stalins", Kaltem Krieg und Bau der Mauer habe mit Ulbrichts Sturz eine "Neue Westpolitik" der SED begonnen, markiert durch den Grundlagen-Vertrag zwischen Bonn und Ost-Berlin und die internationale Anerkennung der DDR. Die endgültige Krise des Sowjetsystems habe auch in der DDR zu "Stagnation und außenpolitischer Ausweglosigkeit" geführt. Der zweite Teil der Abhandlung entwerfe "ein breitgefächertes Panorama der Forschungssituation zur DDR-Außenpolitik" - "soweit von eigenständiger Außenpolitik bei dem gegebenen Abhängigkeitsverhältnis der DDR gegenüber der Sowjetunion und ihrer 'freiwilligen Unterwerfung' überhaupt die Rede sein kann", wie der Rezensent relativiert. Es zeige sich, dass die DDR-Außenpolitik "im Kern" stets eine Funktion der sowjetischen Deutschlandpolitik geblieben sei. Durch den Entzug ihrer Bestandsgarantie habe Michail Gorbatschow das Schicksal der DDR besiegelt. Auch manche "Fehleinschätzung der Wissenschaft" decke Scholtyseck behutsam auf; so hätten noch 1989 Forscher der DDR eine Zukunft prognostiziert. Diese Abhandlung festigt den "soliden Ruf" der "Enzyklopädie deutscher Geschichte", lobt Fricke.
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