Es ist davon auszugehen, dass auf dem Gebiet des Deutschen Reiches zwischen 1939 und 1945 rund 11,8 Millionen ausländische Arbeiter und Arbeiterinnen unter Zwang beschäftigt wurden, davon 10.000 bis 15.000 im Raum von Diakonie und Kirche. Auf Anforderung von Arbeitskräften bekamen ihre Einrichtungen Ausländer zugewiesen, deren rechtlicher Status sich im Laufe des Krieges mehr und mehr verschlechterte. Kirchlicherseits besaß man so gut wie kein Bewusstsein, dass hier Menschen beschäftigt wurden, die ihre Arbeit unter Zwang leisteten und dafür sehr wenig Lohn erhielten. Mit den Beiträgen des vorliegenden Bandes, basierend auf dem Marburger Projekt zur Erforschung der Zwangsarbeit im Raum der Kirche, wird das Thema historisch aufgearbeitet, es werden aber auch aktuelle Fragen wie Entschädigung und Versöhnung berücksichtigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2006
Der Rezensent ist erleichtert: Endlich beleuchtet jemand den Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter im Bereich der evangelischen Kirche. Clemens Vollnhals überzeugen die Beiträge des von Jochen-Christoph Kaiser herausgegebenen Sammelbandes vor allem durch ihre "differenzierte historische Einordnung". Offen bleibt für ihn die Frage, ob die ehemaligen Ostgebiete hier einbezogen gehören. Vollnhals konstatiert die "teils sehr schlechte Quellenlage", kann aus den Einzelstudien aber dennoch ein Resümee ziehen, das das weite Spektrum der Arbeits- und Lebensbedingungen umreißt. Wichtig erscheint ihm dabei, dass für die Autoren die geschilderten Verhältnisse nichts mit dem "christlichen Charakter" der Arbeitgeber zu tun gehabt hätten, sondern eben den damals herrschenden Sitten entsprachen.
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