Aus dem Englischen von Hannes Riffel. Jack Parker dachte, er hätte schon einiges durchgemacht. Seine Eltern sind soeben an den Pocken gestorben. Doch auf dem Weg zur Farm seiner Tante ermorden Banditen auch noch seinen Großvater und entführen seine Schwester. Zeit für Jack, die Verfolgung mit Hilfe zweier Kopfgeldjäger selbst in die Hand zu nehmen. Allein in einer gewalttätigen Welt, muss Jack schnell erwachsen werden, wenn er seine Schwester retten will.
Es lebe der Western, jubelt Matthias Heine. Jedenfalls, wenn er derart gegenwärtig daherkommt wie bei Joe R. Lansdale, meint er. Der nämlich erzählt die Geschichte einer Rache auf Bestellung à la "True Grit" mit der nötigen Kunstfertigkeit und dem nötigen schrägen Humor, wie Heine erklärt. Dass der Autor politisch überkorrekt Indianer und Sklavenabkömmlinge und nicht den weißen Mann die Henkersarbeit machen lässt, kann der Rezensent daher verkraften. Ort und Zeit der Handlung (Ost-Texas um 1900) scheinen Heine auch gut gewählt, um aus der Koexistenz von Cowboys und Motorsägen literarisch Kapital zu schlagen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.11.2014
Joe R. Lansdales "Das Dickicht" und Percival Everetts "God's Country" haben erstaunlich viel gemein, berichtet Sylvia Staude: beide Bücher versuchen, das allzu heroische Bild des Westernhelden ein wenig zu beschmutzen, indem sie ihre Protagonisten beherzt den offenen Rassismus und Sexismus ihrer Tage zur Schau stellen lassen und sie auch sonst nicht unbedingt zu Moralaposteln machen; in beiden Büchern wird ein minderjähriges Mädchen entführt, das gerettet werden will; und beiden Helden steht dabei ein Schwarzer als Fährtensucher zur Seite, fasst die Rezensentin zusammen. Man kann Lansdales Geschichte als Variation derer Everetts begreifen - die im Original bereits 1994 erschienen war -, unter Beigabe einiger etwas holzschnittartiger Figuren, aber auch erfreulicher historischer Details, erklärt Staude.
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