Es hängt mit dem bekannten Schicksal der Weimarer Reichsverfassung zusammen, dass verfassungsgeschichtliche Betrachtungen lange im Banne des Scheiterns dieser ersten volldemokratischen Verfassung Deutschlands gestanden haben. Die vorliegende quellengesättigte Arbeit setzt demgegenüber an deren Wurzel an und sucht damit der lange vernachlässigten Entstehungsgeschichte samt den Anfängen der Verfassungsgeltung gerecht zu werden. Nachdem der Zugang zur vorparlamentarischen Entwurfsentstehung ebenso wie zu Teilen der Protokolle des von der Weimarer Nationalversammlung eingesetzten Verfassungsausschusses, seiner Drucksachen sowie der Aufzeichnungen seiner Unterausschüsse lange Zeit verstellt war, ist es ein Verdienst des vorliegenden Werks, bestehende Desiderate zu beheben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2018
Der hier rezensierende Rechtshistoriker Michael Stolleis zieht den Hut vor der Leistung des Verfassungstheoretikers Jörg-Deltef Kühnes, der hier auf tausend Seiten und in zehnjähriger akribischer Recherche alles zusammen getragen hat, was es über die Genese der Weimarer Reichsverfassung zu wissen gilt. Der Kritiker liest hier von vorparlamentarischen Beratungen, folgt den internen Wandlungen aller sieben Entwürfe bis zur Schlussverfassung, entdeckt private Aufzeichnungen und Pressemeldungen und lernt die Mitglieder und Berater des Verfassungsausschusses in Kurzbiografien kennen. Dass der Autor darüber hinaus sein gesamtes Wissen in diesem "Standardwerk" ausbreitet, macht die Lektüre zwar recht mühsam, aber nicht minder lohnenswert, findet der Rezensent.
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