Ein Beitrag zur Geschichte des Radikalpietismus im Sieger- und Wittgensteiner Land.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2002
Weit mehr als ein Kapitel Regionalgeschichte des Siegerlandes haben die beiden Autoren Michael Knieriem und Johannes Burkardt aufgeschlagen, lobt Christof Wingertszahn. Ihre rühmliche Quellenedition der 55 Briefe von und nach Schloss Hayn bedeute vielmehr eine grundlegende Forschungsarbeit zur Mentalitäts- und Frömmigkeitsgeschichte, genauer gesagt des Radikalpietismus im 18. Jahrhundert. Eine ganze Gruppe von Leuten, darunter die Familie Fleischbein und der Quietist de Marsay, hatten auf jener siegerländischen Burg unter strengsten pietistischen Regeln zusammen gelebt. Man korrespondierte eifrig mit anderen Persönlichkeiten und Zentren des Pietismus, so dass sich im nachhinein ein eindrückliches Bild dieses nach innen und auf Leid ausgerichteten Lebens auf der Burg ergibt, für das wohl vor allem ein Wort bezeichnend ist, wie Wingertszahn andeutet: qualvoll. Allzu schnell vergisst man allerdings ob dieser radikalen Seelenwäsche, gibt Wingertszahn zu bedenken, dass diese Menschen aufrichtig nach einem anderen christlichen Leben gestrebt hätten. Neben den vorzüglich edierten Briefen beleuchten die Autoren in vier weiteren Kapiteln die Geschichte des Radikalpietismus, umreißen den Werdegang des Schlosses und liefern biografisches Material zu Marsay und Johann Friedrich von Fleischbein.
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