Die Kollateralschäden des Pendelns. Wir leben in einer pendelnden Gesellschaft. Die tägliche Fahrt prägt unseren Alltag und sortiert Menschen im Raum. Im Pendeln zeigt sich, wie wir Ansehen und Anerkennung verteilen, wie wir leben wollen und wie wir arbeiten müssen. Dabei stehen wir vor der großen Herausforderung, die tägliche Mobilität neu zu erfinden - nicht nur nachhaltig und krisenfest, sondern auch sozial und gerecht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.11.2025
Rezensentin Sieglinde Geisel lernt aus Johannes Müller-Salos Buch einiges über Politik, Geschichte und Kultur des Pendelns. Denn, so zeige der Philosoph: 60 Prozent der Deutschen pendeln heutzutage zur Arbeit, in einer nicht erst mit der Industrialisierung begonnenen Tradition, die ihre Ursprünge zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in der damaligen Mittelschicht hat und sich von der Kutsche über die Eisenbahn bis zum Auto fortsetzte. Gerade im Zugverkehr habe das Pendeln durch die anfänglich noch gleichen Preise und die dadurch entstehende Begegnung verschiedener Klassen ein "tägliches Krafttraining für unsere demokratische Muskulatur" dargestellt, wie Geisel den Autor zitiert. Auch habe die Heimfahrt seit jeher schon als Erholungszeit gezählt und daher Institutionen wie Bahnhofsbibliotheken oder Buchautomaten hervorgebracht. Problematisch bewerte Müller-Salo hingegen die von ihm so genannte "halbierte Anerkennung", wenn Bürger zwar als Arbeitskräfte, aber nicht als Stadtbewohner willkommen geheißen werden. Dementgegen fordere er ein "Recht auf Stadt" für alle und ein inklusives Pendeln - nur leider fast ohne konkrete Umsetzungsvorschläge, schließt Geisel.
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