Das Gespenst des Kommunismus scheint gebannt - wie aber steht es um den Kapitalismus? John Gray warnt vor den zerstörerischen Konsequenzen des globalen freien Marktes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.09.2000
Nur Spott hat Gerd Habermann für dieses Buch. Gray war einst Berater bei Margaret Thatcher, und nun entpuppt er sich als Sozialdemokrat. Grays Kritik am "Kasinokapitalismus" findet Habermann antiamerikanisch und seine als "dritter Weg" skizzierte Alternative "ziemlich nebulös". In Grays Kritik an der Globalisierung erblickt Habermann nur die üblichen Argumente - vor allem die Klage darüber, dass sie den "Primat nationaler Politik" untergrabe. Eine "schwache intellektuelle Leistung" sei dieses Buch, resümiert Habermann und unterstellt dem Autor, mit diesem Pamphlet "weiter geistig in Mode" bleiben zu wollen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2000
Eine "brilliante Streitschrift" ist dieses Buch für Sebastian Borger, der diesen Band für genauso gut fundiert wie leidenschaftlich hält. Zwar sind bereits zwei Jahre seit der Erstveröffentlichung vergangen, dennoch findet Borger, dass es nichts von seiner Frische eingebüßt hat. Nach seiner Einschätzung hat Gray, der als Politik-Professor an der London School of Economics tätig ist, mit vielen seiner Prognosen bisher Recht behalten. Dabei ist Gray politisch nicht leicht einzuordnen. Als ehemaliger Berater von Margaret Thatcher lässt er einerseits kein gutes Haar an der Neuen Rechten. Andererseits setzt er sich in Borgers Augen mit seinen Thesen fast dem Verdacht einer anti-amerikanischen Haltung aus, da er die "universale Vorbildfunktion" der Amerikaner für jedes andere Land stark in Frage stellt. Aber gerade das von dieser Art Ideologien relativ ungebunden erscheinende Denken Grays scheint für den Rezensenten eine der Stärken des Buches auszumachen, zumal der Autor seine Thesen recht plausibel vermitteln könne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
Dies ist eine Kritik des Neoliberalismus und der Globalisierung aus der Sicht eines Anhängers der sozialen Marktwirtschaft, meint Rezensent Gerd Roellecke,eine politische Kampfschrift zwar, aber eine mit "hohem Anspruch". Gray lehne den Kapitalismus nicht grundsätzlich ab, fordere aber, dass er sich den Besonderheiten einer Kultur anpasse. In China etwa gebe es nicht wie in den USA oder Europa eine Kultur des Individuums, sondern der Familie. Die wirtschaftlichen Erfolge der Auslandschinesen zeigten, dass eine kulturelle Anpassung des Kapitalismus möglich sei, wenn sie rechtlich abgesichert werde. Dafür müsse man aber vom "Washington Consensus" abkommen, also vom Aberglauben, der ganz und gar freie Markt werde schon alles regeln.
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