Generation Angst
Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498028367
Gebunden, 448 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Monika Niehaus-Osterloh und Jorunn Wissmann. Drei technische Megatrends bestimmten die Nullerjahre: das iPhone, hyperviralisierte Social-Media-Plattformen und die Selfie-Kultur. Das Ergebnis: Eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen verwendete mehrere Stunden am Tag darauf, um durch die Beiträge von Influencer:innen und Jugendlichen zu scrollen, statt mit anderen Menschen zu spielen, zu sprechen oder Blickkontakt aufzunehmen. Die Mitglieder der Generation Z wurden damit zu Testpersonen für das Aufwachsen in einer durch die Sozialen Medien radikal umgestalteten Umgebung. Was sind die Folgen dieses Experiments, und wie können wir ihnen begegnen? Diesen Fragen widmet sich Jonathan Haidt in Bildschirmkinder. Sein Buch richtet sich an alle, die verstehen wollen, wie die schnellste und allumfassendste Neuverdrahtung menschlicher Beziehungen es uns allen erschwert, klar zu denken, uns zu konzentrieren, uns um andere zu kümmern und enge Bindungen einzugehen. Es ist auch ein Buch darüber, wie wir ein menschliches Leben für unsere Kinder und für die Menschheit zurückgewinnen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2024
Schade, dass Jonathan Haidt in seinem Buch so apodiktisch und an der Wissenschaft vorbei argumentiert, meint Rezensent Piotr Heller. Denn das Thema ist wichtig, so Heller, schließlich geht es um die Auswirkungen digitaler Medien auf die jüngere Generation, insbesondere seit dem Jahr 2010 und der Verbreitung von Technologien wie Selfie-Kameras und sozialer Medien, die auf Hyperviralität abzielen. Haidt zitiert Doomsday-Statistiken zum Beispiel hinsichtlich Teenager-Selbstmorde, die aber möglicherweise, kritisiert Heller, nicht weltweit generalisierbar sind. Der Rezensent ärgert sich auch, dass Haidt alternative Erklärungen wie etwa Corona außer acht lässt. Dass die Forschungslage seine Argumentation eher nicht stützt, gesteht der Autor laut Heller sogar ein, was die Sache aber nicht besser macht. Ärgerlich ist das auch deshalb, weil einige der beschriebenen Mechanismen, etwa was Schlafentzug via Technologie betrifft, für Heller durchaus einer Diskussion würdig sind. Auch Haidts Vorschläge zur Behebung des Problems kann der Rezensent hier und da etwas abgewinnen; insgesamt also offenbar ein Buch, das wichtige Anregungen enthält, aber leider seine These zu lautsprecherisch verkündet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.07.2024
Jonathan Haidt argumentiert in seinem Buch, dass Smartphones Schuld an der Zunahme psychischer Probleme von Heranwachsenden sind, erklärt Rezensentin Vera Linß. Die Argumentation zielt ihr zufolge darauf ab, dass die Ablenkung durch Smartphones die korrekte Vernetzung von Neuronen im Hirn störe, was in dem erwähnten, empirisch nachgewiesenen Anstieg psychischer Erkrankungen resultiert. In der Tat ist das Problem, so Linß mit Haidt, gerade in der ersten Hälfte der Zehnerjahre rapide gewachsen - Smartphones verhindern laut diesem Buch oft für die psychische Entwicklung wichtige Aktivitäten wie soziale Gruppenspiele. Was aber tun? Smartphones verbieten nützt nichts, lernt Linß von Haidt, stattdessen plädiert der Autor - nicht unbedingt neu, aber überzeugend - dafür, dass Eltern die Nutzung einschränken und dafür sorgen, dass ihr Nachwuchs nicht den Kontakt zur echten Welt verliert.