Seit Europas großer "Flüchtlingskrise" 2015 tritt eine neue Härte in Wort und in Tat zutage. Die Normalisierung des Leids und Elends an unseren Grenzen machte uns gleichgültiger, apathischer und kälter gegenüber Minderheiten und Marginalisierten. Fatal wirkte die Strategie, "den Rechten" das Wasser abzugraben, indem man deren Positionen und Diskurse übernahm. Ist es doch erst die Anbiederung an die extremen Ränder, die Illiberalität und Autoritarismus erstarken lässt, Gesellschaften intoleranter und radikaler macht. Die Migrationsforscherin und Kulturwissenschaftlerin Judith Kohlenberger zeigt eindrücklich, welch hohen Preis wir für unsere Abschottung vom anderen zahlen - und setzt dem die Zugewandtheit entgegen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2024
Rezensentin Laura Albermann weiß nicht so recht, was uns Judith Kohlenberger mit diesem Buch mitteilen will. Die Autorin plädiert für Zugewandtheit und auch dafür, durchlässiger zu werden im Umgang mit anderen gesellschaftlichen Gruppen, wobei es vor allem um Migranten und Flüchtende geht, am Rande manchmal auch um andere marginalisierte Menschen. Konkret wird Kohlenberger dabei allerdings selten, ärgert sich Albermann, auch auf Gewalt durch Menschen mit Migrationshintergrund, in der deutschen Debatte allgegenwärtig, geht sie nicht ein und schreibt stattdessen auf einer abstrakten Ebene darüber, warum wir in unserem Leben Härte abwehren und Durchlässigkeit zulassen sollen. Albermann versteht das so, dass auch Hass und Gewalt mit aufgenommen werden sollten, was freilich aus dieser These folgt, kann sie diesem Buch nicht entnehmen. Politisch bringt einen die Lektüre jedenfalls nicht weiter, heißt es zum Schluss.
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