Ein Gespräch über ein ostjüdisches Leben. Michael Martens hat Josef Burg im Februar 1998 in Czernowitz besucht und eine Woche lang viele Stunden mit ihm verbracht, bei gemeinsamen Spaziergängen durch die Stadt und bei täglichen - auf Tonband aufgezeichneten - Gesprächen in der Wohnung von Josef Burg. Diese Gespräche, hier zusammengefasst, zeigen das Überleben von Josef Burg im Grausamsten aller Jahrhunderte, berichten aber auch von seiner Hoffnung mit Franz Werfel, Paul Celan und Rose Ausländer und enden mit seiner Hoffnung auf eine Wiederauferstehung des Ostjudentums. Ergänzend schildert Michael Martens Einzelheiten des Treffens und des heutigen Czernowitz.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2001
In ihrer sehr knappen Rezension lobt Marion Löhnsdorf das "einfühlsame" Buch als weit über eine einfache Lebensbeschreibung hinausgehend. In dem langen Gespräch des Schriftstellers Burg mit dem Journalisten Martens werde auch ein Stück ostjüdisches Leben sichtbar, das längst untergegangen ist. Deshalb, meint die Rezensentin fasziniert, ist das Buch über die Biografie Burgs hinaus eine "Reise in eine fast vergessene Welt".
Man wird nicht so ganz schlau aus Katharina Borns Besprechung. Einerseits bringen uns die Berichte des "letzten jüdischen Schriftstellers" aus Czernowitz, Josef Burg, diesen Teil osteuropäischer Kultur und Geschichte ganz nahe, an anderer Stelle aber spricht die Rezensentin von einem "leider oft unscharf entwickelten Bild aus Erinnern und Vergessen". Liegt dies am Gesprächspartner Michael Martens, der lange Jahre als Journalist im Ostblock gearbeitet und Burg in seiner Czernowitzer Wohnung wie auf Spaziergängen befragt hat? Am Autor selbst, der sich in den mehrfach umbenannten Straßen seiner Stadt nicht mehr auskennen will? Über Literatur rede der Literat so gut wie gar nicht, sagt Born, er schildere in knappen Sätzen die "Irrfahrten" seines Lebens "wie einen dunklen Traum". Zuletzt ist in deutscher Übersetzung ein Erzählungsband von Burg erschienen, der "Ein verspätetes Echo" heißt, teilt die Rezensentin mit. Die späte Anerkennung, die ihm im ukrainischen Tscherniwitsi zuteil geworden sei, habe nichts daran geändert, zitiert sie den Autor, dass seine Bücher nicht gelesen würden.
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