Mit einem Nachwort von Josef Winklers französischem Übersetzer Bernard Banoun. Nach einem längeren Aufenthalt in Wien zog sich Josef Winkler im Jahre 1981 auf einen Bauernhof in Kärnten zurück, um seinen Roman Muttersprache zu beenden. Dort fand er Quartier bei der Familie der Bergbäuerin Njetotschka Wassiljewna Iljaschenko, einer im März 1943 von Hitlers Schergen verschleppten Ukrainerin - die ihm über ein Jahr lang ihre Lebensgeschichte erzählte. Die Bäuerin berichtet dem Autor vom Leben ihrer verzweifelt um die Existenz der Familie ringenden Mutter am Ufer des Dnjepr und von ihrer eigenen Kindheit während der Zeit der Kollektivierung und Hungersnot (Holodomor) im Dorf Dobenka, das später vom Stausee von Krementschug überflutet wurde. Sie erzählt von ihrer gewaltsamen Verschleppung aus der Ukraine zur Zwangsarbeit nach Kärnten, und sie berichtet von ihrem ersten Jahr auf dem Kärntner Bergbauernhof.Der Band erscheint mit einem Nachwort von Josef Winklers französischem Übersetzer Bernard Banoun sowie erstmals mit Briefen, die Hapka Davidowna Iljaschenko aus der Ukraine an ihre Tochter Njetotschka in Kärnten schrieb.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2022
Rezensent Paul Jandl hält die Aktualität von Josef Winklers Roman aus den frühen 1980ern für faszinierend. Wie in dem von Winkler aufgezeichneten und seiner eigenen Geschichte als Kärtner Bauerssohn anverwandelten Bericht einer als Kind aus der Ukraine geflohenen Kärtner Bäuerin über die Verbrechen Stalins und der Deutschen in ihrer Heimat schon das Dröhnen gegenwärtiger Kriegsmaschinerie zu vernehmen ist, findet Jandl beklemmend. Winklers Methode, die Sprache und Bilder des Berichts beizubehalten, scheint Jandl ebenso bemerkenswert wie die Subtilität, mit der der Autor die Beziehung zur seiner eigenen Mutter in den Text einlässt.
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