Jürgen Todenhöfers Buch, das sich vornehmlich aus seinen dramatischen Erlebnissen während des Arabischen Frühlings speist, legt Zeugnis ab von Hass, Demütigung und Vernichtung - gestern und heute. Immer wieder fragt er sich, warum Menschen moralische Grenzen überschreiten. Nicht nur jene, die vergewaltigen, foltern und töten, sondern auch jene, die am Schreibtisch andere aussenden "zur Verteidigung" von Freiheit und Frieden. Immer wieder konfrontiert Jürgen Todenhöfer das Bild, das öffentlich von Kriegen gezeichnet wird, mit der Realität vor Ort. Er gibt den Namenlosen ein Gesicht und zeigt uns unsere beschämenden Feindbilder.
Josef Joffe muss Jürgen Todenhofers Buch "Du sollst nicht töten" weit umfangreicher besprechen, als er eigentlich möchte, so sehr erregt er sich über den schwarz-weiß-Moralismus des Autors. Im Buch geht es um die Kriege der letzten Jahrzehnte, die Todenhöfer eindeutig dem Westen ankreidet, der nie bloß Menschlichkeit im Sinn habe, wenn er sich einmischt. Allen voran urteilt Todenhofer die USA ab, berichtet der Rezensent. Das einfache Credo lautet: Verhandeln ist besser als Krieg, die Zahl der Toten bestimmt das Maß der Schuld, erklärt Joffe. Dem Rezensenten ist das zu simpel, Todenhöfer ignoriere vollkommen den Kontext und die Ursachen für kriegerische Handlungen und arbeite mit einer naiv pazifistischen Moral, die nur alles besser weiß, solange sie nicht handeln muss.
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