Auf einmal sitzt er auf dem Sofa, in einer Rauchwolke, wie eine Fata Morgana. Valerie hat nicht mit ihm gerechnet, aber er ist es: Robert. Er dreiundzwanzig, sie neunzehn, sie hell, er dunkel - keiner hat sie je für Geschwister gehalten. Halbgeschwister, daher vielleicht. Mit der Rückkehr der Krankheit ihrer Mutter ist auch er zurückgekehrt, und er verspricht zu bleiben. Gemeinsam stehen Robert und Valerie nun vor Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt: Wie umgehen mit einem Abschied? Valerie und Robert suchen Halt aneinander. Sie hoffen darauf, dass, indem sie die Distanz zueinander verringern, sie auch sich selbst und dem unfassbaren Geschehen um sich herum näherkommen. Doch die Nähe zwischen ihnen hat viele Gesichter: zart und schmerzlich, wild und tröstlich - und nicht zuletzt: gefährlich.
Rezensentin Julia Schröder empfiehlt den neuen Roman von Julia Rothenburg. Wie die Autorin sich hier mit dem Thema Krebstod aus den Perspektiven zweier junger Angehöriger auseinandersetzt, findet sie stark, weil unkitschig, naturalistisch und von großer Stimmigkeit und Genauigkeit. Die Tabuthemen Krankheit und Tod und das Familiendreieck, das der Text aufspannt, findet Schröder im Roman überzeugend vermittelt bzw. gestaltet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.03.2019
Rezensentin Carolin Born liest Julia Rothenburgs neuen Roman über eine an Darmkrebs sterbende Frau und ihre Kinder mit Interesse. Überzeugend scheinen ihr die Figuren, ehrlich der Ton. Auch wenn die Geschichte laut Born traurig ist, beeindrucken die Rezensentin die leisen Szenen mit den kleinen, riesig erscheinenden Gesten und wie die Autorin die Absurdität der Atmosphäre rund um das Sterben in einem Krankenhaus einfängt. Wie es ist, wenn der Bestatter mit der Urnenauswahl kommt, kann die Autorin lebensecht vermitteln, findet Born.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…