In Vilnius wird die Wahrsagerin Julija ermordet - eine elegante, erfolgreiche Frau, bei der die Spitzen der Gesellschaft verkehrten. Stecken politische Kreise hinter dem Mord? Oder etwa die Mafia? Einige von Julijas Freunden versuchen diese Fragen zu beantworten. Da ist die Journalistin Rita, deren beste Freundin Julija war. Allerdings fühlte sich Rita neben der schönen, erfolgreichen Julija immer häßlich und spießig und irgendwie gescheitert. Die Beziehung des Showstars Maksas zu Julija war von Oberflächkeit geprägt wie sein ganzes Leben: die schillernde Seifenblase des Showbusiness ist für ihn allemal verlockender als die dunklere, grüblerischere Seite seiner Persönlichkeit, die er mehr oder weniger erfolgreich unterdrückt. Seinen sonderbaren Bruder Tadas hatte Julija immer als ihren "Schutzengel" bezeichnet - er ist ein religiöser Asket und Eigenbrötler und hatte für Julijas flatterhaftes, sinnenfreudiges Leben nur Verachtung übrig, was ihn für sie aber nur noch anziehender machte. Schließlich ist da noch ein geheimnisvoller "Er", der Repräsentant der mysteriösen Organisation "Placebo". Deren Ziel ist es, die Menschen der Globalisierung zu unterwerfen, ihnen den Individualismus auszutreiben und den freien Willen zu nehmen. Es wird immer offensichtlicher, daß "Placebo" etwas mit Julijas Tod zu tun hat. "Er" wird dabei zur tragischen Gestalt, denn seine Skrupel erlauben ihm irgendwann nicht mehr, das Spiel mitzuspielen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2005
Eine Boulevardjournalistin in der litauischen Hauptstadt Vilnius recherchiert den unnatürlichen Tod einer Wahrsagerin, des letzten "suchenden" Menschen im mental gleichgeschalteten Konsumland Litauen gewesen, skizziert die Rezensentin Kerstin Holm Handlung und Thema des Romans. Jurga Ivanauskaite sei in Litauen eine Bestseller-Autorin und habe mit dem "pastosen Pinsel ihrer Frauenzeitschriftsprosa" einen negativen utopischen Roman geschrieben, der Huxley, Orwell und dem Film "Matrix" nacheifere. Hinter allem Bösen und Seelenlosen und wahrscheinlich auch dem Todesfall stecke eine mächtige Geheimgesellschaft mit dem Namen "Placebo". Die von dieser ausgehende allgemeine "Substanzvernichtung" in einer selbstbezüglichen Welt von Konsumenten und Produzenten habe aber auch "über den Text triumphiert", urteilt die Rezensentin subtil über die literarische Seite der Utopie.
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